Archiv für den Monat: November 2006

Oktober 2006 Mit dem Tourenrad durch Zypern –

 

Der Radsommer 06 ist vorbei und die Überlegung lag nahe, man könnte zum Ausklang des Jahres noch mal eine kleine Radreise anhängen.
Vergrößern!In Frage kamen für dieses Mal, da sehr kurzfristig geplant, Reiseziele für eine Woche im Europäischen Raum. Nachdem ich die Kanaren schon öfters besucht hatte, fiel die Wahl auf Zypern.
Ich buchte kurzfristig einen Flug, der am sehr späten Abend in München startete. Mit meinem Bike kam ich nach vier Stunden gegen 2:00 früh in Zypern auf Pafos an.
Da ich als Biker jeden Tag woanders sein werde, hatte ich kein Hotel gebucht und fuhr noch für die angebrochene Nacht in das 15Km entfernte Pafos um vielleicht doch noch ein Zimmer zu bekommen. Dort fand ich ein Hotel, wo ich den schlafenden Hotelier vor dem laufenden Großbildfernseher mit der Bitte um ein Zimmer weckte. Glück gehabt!

1. Tag, Samstag 21. Oktober

Beginn der Tour im Westen der Insel
von Pafos nördlich bis Kato Pyrgos.

Vergrößern!Die Nacht war kurz und erst so gegen Mittag kam ich noch etwas gerädert von den wenigen Schlafstunden nach einem Frühstück auf das Rad.
Die Pooltouristen beäugten im Innenhof des Hotels neugierig, wie ich die Satteltaschen an den Gepäckträger befestigte und mich für die heutige Tagestour rüstete. Dabei konnten sie nicht die Vorfreude erahnen, die ich für die nächsten Radtage empfand. Nicht im Entferntesten konnte ich mir vorstellen, die Woche am Hotelpool oder in diesem Touristenghetto zu verbringen.
Mit einem Winken verabschiedete ich mich und entschied, die Tour Richtung Norden zu beginnen. Ich nahm mir vor, zuerst Polis anzufahren, das im Nordwesten der Insel im Gebiet Akamas liegt. Gleichzeitig wollte ich mich aber nicht festlegen, weil ich die tatsächliche Strecke von meinem Befinden abhängen lassen wollte.
Vergrößern!Ich entschied mich, nachdem auf der 701 ziemlich viel Verkehr war, in die Berge, über Kathikas, zu fahren. Die ersten Höhenmeter mit Satteltaschen fielen mir in der Mittagshitze schwer und Ritzel um Ritzel schaltete ich auf einen weniger schweißtreibenden Gang herunter.
In dem verträumten Bergdorf Kathinkas angekommen, lockte mich eine schattige Taverne auf eine kleine Stärkung. Beo hieß das Zypriotische Bier, das ähnlich wie unseres schmeckt.
Nach der Abfahrt Richtung Nordküste wurde die Sicht besser und entlang des Strandes bei kristallklarem Meerwasser nach Pomos zu fahren war ein erhebendes Gefühl.
Vergrößern!Es ging mir gut und ich erweiterte das Tagesziel auf Kato Pyrgos. Die Sonne ging bald unter und zwei Routen boten sich an. Eine Bergroute und eine kürzere am Strand, die auf der Karte mit einer roten Linie umrandet war, welche ich nicht deuten konnte. Ich dachte, mir genügte für heute die Strandroute. Doch Sperranlagen und Stacheldrahtverhau verhinderten eine Weiterfahrt an der Küste.
Ich musste feststellen, dass es eine richtige Grenzanlage war. Dieser etwa vier Km lange Abschnitt war türkischer Bereich und der Küstenstreifen Land war festungsartig gesichert. Durchfahren unmöglich. Also war ich gezwungen die längere Bergroute zu wählen, unwissend ob ich in Kato Pyrgus überhaupt eine Unterkunft bekäme. Bei einbrechender Vergrößern!Dämmerung erwies sich die Umfahrung mit mehr als 400 Hm als sehr mühsam, vor allem wenn man nicht mehr damit gerechnet hat. Ich ärgerte mich über diese eigentlich überflüssigen Kilo- und Höhenmeter und sinierte, ob ich noch zumindest eine Schlafunterlage organisieren könnte, wenn es wirklich in dem Ort keine Unterkunft gäbe.
Ich war nicht mehr wählerisch, als ich bei schon fast dunkler Nacht am Ortseingang von Kato Pygros zu meiner Freude ein etwas modernisierungsbedürftiges Hotel vorfand. Eine Busgruppe Einheimischer stieg gerade zur Übernachtung aus und ich bekam auch ein Zimmer. Ich dachte mir, zuerst mal Waschen und dann Essen. Ich seifte mich gründlich ein um dann feststellen zu müssen, dass bis auf die ersten Liter kein Wasser mehr kam. Schnell eine Hose und ein Shirt übergezogen, gutriechend verklebt Vergrößern!mit Seife und mit knurrendem Magen erklärte ich mit Händen und viel Gestik mein Problem der etwas älternen Dame des Hauses. Sie verstand kein Wort englisch, kapierte schließlich doch mein Anliegen und gab mir ein anderes Zimmer mit einer Dusche, die auch Wasser von sich gab.
Nach einem guten Fischessen, das ich mit den Einheimischen genoss, wurde es ein schöner Abend. Wenn ich auch kein Wort Griechisch konnte, so verstanden wir uns hervorragend und ich musste unbedingt nach einer Flasche Weißwein bei leiernder Kassettenmusik ihre Tänze mitmachen.

 

2. Tag, Sonntag 22. Oktober

Kato Pyrgos – Pedaulos
(Nordwesten der Insel zum Troodos Gebirge)

Vergrößern!Der zweite Tag begann mit einem kräftigen Schrecken. Nachdem ich auf meinem Rad die ersten Meter losrollte, beschwerte sich laut hupend ein Pickupfahrer. Gedankenlos fuhr ich Dödel auf der rechten Seite los. Gestern hatte ich im Linksverkehr kein solches Missgeschick und heute passiert mir gleich am Anfang so was. Ich nahm mir fest vor, mich zu konzentrieren und ärgerte ich mich über mich selbst.
Ein weiterer Versuch hinter Pato Pygros doch irgendwie in den türkischen Nordteil zu gelangen scheiterte erneut am nächsten Grenzübergang, wo mir ein Soldat in gebrochenem Englisch erklärte, dass dies nur in Lefkosia, der Hauptstadt, möglich sei. Dies wusste ich nun erst jetzt und damit war es endgültig klar, zuerst im südlichen Teil Richtung Troodos Gebirge weiter zu fahren.
Vergrößern!Nach einer kleinen Kartenkunde nahm ich mir vor, den ersten Streckenabschnitt nach Kampos hoch zu radeln, doch die 42 Kilometer gut ausgebauter Teerstraße hatten es in sich. Obwohl Kampos nur in etwa 900 Hm lag, waren auf meinem Chronometer so gegen 14:00 Uhr additiv bereits über 1600 Hm. Auf einem Streckenabschnitt sah ich in etwa einem Kilometer Luftlinie die weiterführende, sich am Hang hoch schlängelnde Straße, musste jedoch zuerst etwa 400 Hm und 5 Km kurvig bergab, um dann wieder mühselig den Anstieg hoch zu treten. Da wünschte man sich Brücken. So summierten sich 42 Km, obwohl es auf der Karte doch so nah schien.
Nach einer Mittagspause in einem schattigen Restaurant bei Lammfleisch, einem freundlichen Wirt und Vergrößern!Beo Bier erholte ich mich, um weiter ins Troodos Gebirge vorzustoßen. Der höchste Punkt der Insel war auf der Karte mit 1951m eingezeichnet. Dies setzte ich mir als Tagesziel. Doch es wurde grau über mir und Gewitterwolken vermiesten mir die Stimmung. Ich hatte kaum mehr Zeit die Regenhaut über das Gepäck und mich zu stülpen, so schnell durchnässten mich schwere Tropfen und lautstark zuckten Blitze und Gewitterdonner auf die Berghänge des Troodos.
So sehr auch die Missstimmung vor dem Gewitter zu spüren war, entspannte sich diese nachher wieder relativ schnell.
Nach etwa einer Stunde war alles vorbei und erste Sonnenstrahlen kämpften sich durch die dicken Wolken. Nebelschwaden dunsteten aus den Hängen und nahmen einen würzigen, intensiven Kiefernduft Vergrößern!mit herauf, den ich tief in mich hineinsog. Ich sah in einem Berghang liegend imposant die Ortschaft Pedaules vor mir. Einen christlich-orthodoxen Wallfahrtsort mit einem imponierendem großen, etwa 30m hohen, weißen Christenkreuz und einer Kirche darunter. Dies ist eine Wallfahrtgegend und Pilger wandern und übernachten viel in dieser Region.
Die Schatten wurden länger und doch etwas ausgelaugt kam ich in deutlich kühlerem Höhenbereich, dem höchsten Punkt der Insel, dem Olympos näher. Bei 1700m angelangt und 8 Grad sah ich einen voll bewaldeten Berggipfel vor
mir und einen unschönen, riesigen Sendemast. Ich ließ es offen, diesen Ort am nächsten Morgen zu besuchen und musste mich wieder um eine Unterkunft kümmern.
Das nächste Unheil nahm seinen Lauf.
In Prodomos empfahl mir ein Grieche ein Hotel „in der Nähe“. Er fertigte mir einen Zettel an, dessen Angaben ich folgte. Suchend rollte ich über 200 kostbare Höhenmeter bergab dieser Skizze nach um endlich das ersehnte Hotel zu finden. Es führte jedoch keine Straße nach rechts und nichts passte auf diese doch eindeutige Beschreibung. Zwischenzeitlich war es finstere Nacht. Entnervt gab ich die Suche auf und trat, bereits im Dunkeln, diese Höhenmeter wieder bergauf um nach Pedaules zurück zu fahren. Vergrößern!Dort wusste ich sicher, dass es eine Unterkunft gab. Ausgekühlt und mit einer Stinkwut im Bauch auf diesem Typen, rollte ich ohne Licht ziemlich schnell wiederum die Serpentinen hinab. Die Lichter der Ortschaft waren schon zu sehen als plötzlich ein Schlag durch den Radrahmen fuhr. Ich war auf einen größeren scharfkantigen Stein gefahren und der Vorderreifen war binnen Sekunden luftleer. Gut, dass Pedaules nur noch einen Kilometer vor mir lag, mich es nicht geschmissen hat, und ich das Rad diese Strecke schieben konnte. Dort kam ich dann an eine Straßenbeleuchtung, wo ich mein Flickzeugs auspackte. Zu allem Übel war mein Ersatzschlauch 28 Zoll groß, doch den quetschte ich notdürftig in den 26 Zoll Mantel, um zumindest noch in den Ortsbereich rollen zu können. Gut dass dort alles klappte und ich problemlos ein Zimmer bekam, wo ich das Rad endgültig reparierte.

 

3. Tag, Montag 23. Oktober

Pedaulos bis Lefkosia
(Troodos Gebirge – Richtung Osten zur Hauptstadt)

Vergrößern!Gleich nach dem Aufstehen stellte ich verärgert wieder einen Platten fest und fand noch ein weiteres Loch im Schlauch, das ich erneut flickte und hoffte es würde nun halten. Mit der kleinen Handpumpe war es immer eine sportliche Angelegenheit, den Reifen auf etwa 4 bar zu pumpen.
Auch die Radkleidung war noch nicht ganz trocken und so konnte nur ein gutes Frühstück meine Laune etwas aufbessern.
Bei Tageslicht fuhr ich nochmal die Richtung, wo gestern die Unterkunft hätte sein sollen. Und vergewisserte mich, ob ich in der Dämmerung wirklich nichts übersehen hatte. Doch auch heute fand ich das beschriebene Hotel nicht. Ich dache mir: „Vergiss es!“. Schnell ging es die Straße hinunter und ich war wieder bei 800 Hm bei Kakopetria.
Vergrößern!Doch so halb verrichteter Dinge wollte ich dieses Gebirge nicht verlassen. Ich entschloss mich, zumindest zu der höchst gelegenen Ortschaft auf der Insel noch einen Abstecher zu machen. Der Tag war noch jung und ich schaltete wieder einige Gänge runter, um auf der gut ausgebauten Staatsstraße 89 nach etwa 900 Hm den im Merian angepriesenen Ort besucht zu haben. Enttäuscht fand ich bei kalten Temperaturen und bereits wieder bedeckten Himmel nur ein paar Häuser, Restaurants und Touristenläden vor.
Als es wieder zu tröpfeln begann, hatte ich von den Bergen vorerst genug und entschloss mich in die letzte in Europa geteilte Hauptstadt mit drei Namen zu bewegen. Nikosia heißt sie auf der Karte, Lefkoksia bei den Griechen und Lefkosa bei den Türken, deren Teil sich im Norden befand.
So machte ich mich endgültig auf den Weg, um das Gebirge über die 907 Richtung Osten zu verlassen und die Hauptstadt anzufahren. Dabei kommt man durch die Gebirgsdörfer Kyperounta und Saranti, die wie in die Landschaft gewachsen wirken. Wenn auch die Höhenmeter immer weniger wurden, so überraschten doch immer wieder ein paar Anstiege, die immer, bis man sich eingetreten hatte, ganz schön mühselig waren. Bei Kato Moni wurde es dann endgültig flacher, aber leider auch von der Landschaft unattraktiv. Im Vergrößern!Mittelteil der Insel ist Industrie angesiedelt und der Wind trug den Gestank von Agrar- und Viehhaltungsbetrieben über viele Kilometer übers Land. Hinter mir zogen wieder gewaltige Gewitter auf und teilweise erreichten mich ein paar Regentropfen. Es stimmte mich tröstlich, als ich in der Ferne die Großstadt Lefkosia im Sonnenlicht sah.
Es ist eine großflächig angelegte alte Stadt, dessen Altstadt mit einer großen Wehrmauer umgeben ist. Zwangsweiße kam ich bei belebtem Verkehr auf einen Autobahnzubringer. Nun wusste ich nicht, ob man denn auf Zypern so wie in Teneriffa als Radfahrer auf der Autobahn fahren dürfe. Die Autos hupten kaum, sie konnten mich jedoch aufgrund der Satteltaschen auch für ein Motorrad halten. Als ich ein Radgeschäft sah, fuhr ich herunter, um einen neuen Schlauch zu kaufen. Ich erhielt die Auskunft „Oh yes Sir, it`s possible to drive“! Nun gut, hochkonzentriert und mit einem Unbehagen fuhr ich weiter. Dieses impulsive Verkehrsgetöse nervt ganz schön und ist zudem gefährlich. Mein kleiner Spiegel am Rad leistete mir große Hilfe und ich konnte mich schon immer darauf vorbereiten, wenn lautstark von Vergrößern!hinten ein Brummi mit viel Speed daherkam, auf dessen Winddruck ich immer gegensteuern musste. Nach einer stressigen halben Stunde war ich froh, die Altstadt erreicht zu haben, wo auch der Verkehr wieder normal wurde. Dafür war ich nun im Touristengewimmel gelandet. Hellbeleuchtet brodelte das Leben inmitten Restaurants, Shops, Banken, Boutiken,Weinlokale………
Dort bekam ich auch ein Hotel und hatte nach diesen erlebnisreichen Tag und den Anstrengungen ordentlich Kohldampf. Ich erfragte gewissenhaft die Grenzübergänge nach Nordzypern und mit Vorfreude grübelte ich über den Ablauf des nächsten Tages.

4. Tag, Dienstag 24. Oktober

Lefkosia – Famagousta –
(Hauptstadt über Nordküste in die östliche Landzunge)

Vergrößern!Eitel Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Schön!
Frisch aufgepackt verfuhr ich mich bereits am Morgen im Gewirr der Altstadtgassen und nach einiger Zeit fand ich erst den Grenzübergang zum nördlichen Teil Zyperns. Dort wurde streng kontrolliert und im türkischen Teil angekommen war alles ziemlich heruntergekommen. Das Leben schien weniger impulsiv zu verlaufen. Kaum Autos und LKW`s bewegten sich auf den Straßen, was ich natürlich als sehr angenehm empfand. Ich wollte als nächstes in die an der Nordküste gelegene Stadt Keryneia, die von den Türken Girne genannt wird. Auf der Autobahn war auch wenig Verkehr und ein breiter Vergrößern!Seitenstreifen schien mir sicherer zu befahren, als so manche belebte Straße, wo links kaum Raum zum Ausweichen war. Ich radelte los und sah vor mir den langen Gebirgszug des Kyrènia, den die Autobahn in einem Anstieg auf 300m Höhe Richtung Keryneia querte. Ein alpin anmutender, etwa 100 km langer und max. 1000m hoher Bergrücken, der sich fast über den ganzen Norden Zyperns erstreckt. Von dem Höhenpunkt auf der Autobahn sah ich hinunter in die Hafenstadt Keryneia, in die ich das Rad hinenrollen lies. Ich fand einen wunderbar gelegenen Hafen vor und die Burganlage St. Hilarion, wo sich die Reste des ältesten, je gefundenen Handelsschiffes befinden. Eigentlich lud diese Stätte zur intensiveren Besichtigung ein. Die Angaben im Reiseführer, Keryneia sei die schönste Stadt Zyperns, konnte ich nur bestätigen. Ich entschied mich jedoch, die Küstenstraße Richtung Osten zu fahren um heute noch Famagousta zu erreichen. Schließlich wollte ich wenn möglich ganz Zypern mit dem Rad erkunden.
Man hätte sich locker in jeder Stadt mit den umliegenden Sehenswürdigkeiten länger aufhalten können, dazu reichte jedoch die Zeit nicht. Im türkischen Teil stimmte kaum ein Ortsname mehr mit der Kartenbeschreibung überein und ich konnte nur anhand der Kilometer erahnen, wo ich mich etwa befinde.
Vergrößern!So fuhr ich weiter und kam wieder mal ins Schwärmen von der Schönheit der Nordküste, die nur von ein paar kleinen Örtchen unterbrochen war. Schade, dass Bauträger endlose monotone Betonburgen errichten und die Landschaft verschandeln.
Jäh wurde ich wieder mal aus meiner Euphorie gerissen, als mich plötzlich ein paar Straßenköter als Tagesereignis entdeckten. Laut bellend und zähnefletschend schossen sie plötzlich aus einem Grundstück an der Straße. Ich beschleunigte wie selten in meinem Leben und dachte nur noch, dass ich Hundefutter bin, wenn jetzt die Radkette reißt. Die etwa 300m Radsprint kamen mir vor wie eine Ewigkeit, bis endlich der letzte Vierbeiner erschöpft aufgeben musste. Wohl dem, der das Rad erfunden hat. Sichtlich erleichtert, mit Adrenalin in den Beinen und schweißgebadet wurde mir in sicherem Abstand bewusst, wie schnell doch eine unvorhergesehenes Ereignis den Verlauf einer Reise verändern kann.
Obwohl ich heute schon viele Kilometer an der Nordküste unterwegs war, spürte ich aufgrund der abwechslungsreichen Landschaft diese kaum in den Beinen. Ich war von der Schönheit begeistert und einfach zu abgelenkt. Nach jedem Küstenabschnitt boten sich mir herrliche Blicke in atemberaubender Naturlandschaft und das kristallklare Wasser war schön anzusehen.
Ab Neraides wurde die Straße deutlich schlechter um dann wieder landeinwärts zu verlaufen. Mein Fully wurde ordentlich gefordert und ich sammelte nun wieder Höhenmeter zur Überquerung der östlichen Gebirgsausläufer des Kantara, wo es auch wieder heißer wurde.
Vergrößern!Atemberaubend war der Moment, als ich bei Kairos am höchsten Punkt ankam, und sich ein Blick auf die Ebene bei Polis bot. Selbst am Himmel spielten sich phantastische Naturschauspiele ab, als wieder ein mächtiges Gewitter im Süden aufzog. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und entsprechender Sonneneinstrahlung quoll weiter südlich schnell ein mächtiger Gewitternimbus empor und obwohl dieser vorher noch harmlos schien, blitzte und donnerte es kurze Zeit später. Man konnte das Meer erahnen und nachdem ich durch die Ortschaft Polis gefahren war, freute ich mich schon wieder auf den nächsten Strandabschnitt. Sehr sensibilisiert reagierte ich auf jedes Hundebellen und versuchte es von Entfernung und Richtung zu orten, um auf evtl. Angriffe vorbereitet zu sein. Als ich bei Famagousta bei Sonnenuntergang ankam, schien es, als ob der Himmel brennen würde. Bis auf ein paar Tropfen war ich dem Regen diesmal ausgekommen. So ging wieder ein toller Tag zu Ende.

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5. Tag, Mittwoch 25. Oktober

Famagousta – Lemesos
(Limassol)

Vergrößern!Vergrößern!Bereits in Limasol am Grenzübergang erfragte ich bei den Grenzern weitere Passiermöglichkeiten zwischen Nord- und Südzypern. Mir wurde versichert, dass es südlich von Famagousta auch noch einen Übergang gibt. Am Morgen nachdem ich kaum eine halbe Stunde gefahren bin, tauchte überraschend schnell die erwartete Grenzanlage auf, wo wieder penible Passkontrollen durchgeführt wurden. Daraufhin war ich nun im griechischen Teil und mein heutiges Tagesziel war Limassol im Süden der Insel.
Ich war im südlichen Teil, parallel zur Grenze unterwegs und froh, nach etwa 30 trostlosen Kilometern, wo sich nur monotone Gegend, Stacheldraht, Absperrungen und Grenzanlagen abwechseln, endlich wieder die Küste erreicht zu haben. Mir taten die Wachsoldaten leid, die in dieser Vergrößern!Pampa Dienst schieben müssen. Man stelle sich dies im Hochsommer vor. Mir fielen sehr die Gegensätze der Menschen auf. Der Grossteil des Nordens ist Islamisch geprägt, während die griechischen Zyprioten vorwiegend christlich-orthodoxen Glauben haben. Mir kamen all die Berichte in den Sinn, die den Beitritt der Türkei in die EU anbelangen, die Zypernfrage und wenn man die Mentalitätsunterschiede so sieht, dann kommen einem schon Bedenken auf. Ein Mann im griechischen Teil nannte die türkischstämmigen Einwohner nur herabwürdigend „Porkypeople“.
In Larnaka angekommen, machte ich eine kurze Pause, radelte locker durch die Altstadt und sah mir die Strandmeile an.
Sonst hat die Stadt auch nicht viel zu bieten. Limassol lag noch knapp 80 km entfernt und ich suchte die dem Strand nächste Straße. Bei Larnaka bildete sich wieder ein mächtiges Gewitter, vor dem ich wegfahren wollte. Der Wind aus dem Gewitternimbus trieb mich mit 50 Sachen genau Richtung Limassol. Toll, so ohne besondere Kraft in die Pedale setzen zu müssen vorwärts zuVergrößern! kommen. Geschenkte Kilometer! Das ging eine Zeit lang gut, das mit mir ziehende Gewitter war doch etwas schneller und bevor der sintflutartige Regen einsetzte, huschte ich noch schnell in ein Fischrestaurant, dessen Wirt mich freudig begrüßte. Imponiert sah ich mir an, wie die Straßen vom Platzregen überquollen und durchfahrende Autos das Wasser meterhoch spritzten.
Als sich die ersten Sonnenstrahlen wieder blicken ließen, stieg ich gut gesättigt auf`s Rad und nun hatte ich das Gewitter vor mir. Ich staunte wie die Blitze in`s Meer zuckten und Limassol in dunkles Grau deckte. Über mir war es jedoch trocken und ich hatte keine Eile mehr, da ich vorher viel Zeit herausfuhr. Vor Limassol ankerte imposant ein Vergrößern!Flugzeugträger der Amis. Jederzeit bereit um auszulaufen, wenn es im Nahen Osten wieder mal kriselt. Mein Hinterreifen meldete wieder mal Plattfuß. Am Strand baute ich das Rad aus und musste erneut Löcher suchen um wieder kräftig pumpen zu können.
Als ich durch die Altstadt radelte, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen, als ich auf den Waden eines Engländers Vergrößern!Tätowierungen besonderer Art sah. Wir fachsimpelten über Bikes und waren beide überzeugt, dass so ein Ritzel was tolles ist.

Hotel suchen, Abendspaziergang, Essen, Schlafen. Morgen ist der letzte Tag. Wie schnell doch so eine knappe Woche vergehen kann.

6. Tag, Donnerstag 26. Oktober

Limmasol – Pafos Südlicher Bereich der Insel

Vergrößern!Mein Chronometer zeigte Hochdruck an und der strahlendblaue Himmel versprach einen guten Tag. Nachdem ich Limassol verlassen hatte, bot es sich an, einige Kulturstätten zu Vergrößern!besuchen. Bei Kolossi sah ich mir noch ein Johanniterkloster und Ausgrabungsstätten an. Bei Episkopi erinnerten Amphitheater und Ruinen an die Stadt Curium. Überreste der späten Römerzeit erstreckten sich über einem Felsplateau, das zur Küstenebene auf drei Seiten über 70m abfällt.
Tja, die alten Römer haben gut gelebt. Es war bereits Mittag als ich an gut gepflegten Kasernenanlagen der Engländer vorbeiradelte, die dort große souveräne Militärbasen betreiben. Typisch, dass gepflegte kurzgeschorene Rasenanlagen nicht fehlten. Der Tag war trotz allem noch jung und Pafos lag nur noch 40km vor mir. Ich hatte mir sicherheitsmäßig heute eine kleinere Etappe auferlegt, um nicht wegen

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irgendwelchen auftretenden Problemen zu weit vom Abflughafen entfernt zu sein. Nachdem aber alles gut klappte, entschloss ich mich nochmal landeinwärts zu fahren, also die Küstenstraße zu verlassen, um Omodos im Troodos Gebirge noch als Zugabe mitzunehmen. Schließlich ist es zu Hause bald November und das Rad wird für Monate nicht ausgeführt. Bei gleichmäßigen Anstiegen gewann ich etwa 700 Hm, welche im Hinterland vor den Bergen des Troodos nochmal etwas abfielen. Das Meer verschwand hinter mir wieder im Dunst und ohne Kühlung einer Meeresbrise wurde es 33 Grad heiß. Es boten sich wunderbare Blicke ins Hinterland, wieder mit ganz eigenem Landschaftscharakter und ich dachte mir, die Anstrengung hat sich gelohnt.

Bei Kato Platres begann ich die Abfahrt über ein anderes Tal, vorbei an Kedares, Fasoula. Nach Kidasi führten steile Schotterserpentinen noch etwa 200 Hm bergab, um dann in eine neu gebaute, wenig frequentierte Straße, entlang des ausgetrockneten Flusstales zu münden. Im Gegenlicht und immer mit einem leichten Gefälle kam ich wieder zurück an die Küste. Ich musste kräftig treten, da 30km/h Wind auf der Nase eben beim Radfahren nicht so angenehm sind.

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Dieser kleine Bergabstecher hat sich wirklich rentiert. Nur schade, dass es bereits Oktober ist und man sich bereits ab 18:00 um eine Unterkunft kümmern muss. In Pafos angekommen war es bereits wieder dunkel und ich weiß bis heute nicht, ob ich zum ersten Mal in einem Hotel abgewiesen wurde, weil ich nur eine Person war und nur eine Nacht bleiben wollte, oder ob ich vom vielen Schweiß doch schon etwas streng roch. Bein Zweiten hat`s sofort geklappt. Es war das letzte Stück meiner Zypern-Reise und ausnahmslos jeder Tag war wunderschön.

Gemachte Erfahrungen  und Tipps

Zypern eignet sich gut für einen Radurlaub. Die Straßen sind gut ausgebaut und sind auch mit dem Rennrad gut befahrbar. Gefährlich sind vor allem im Troodos Gebirge scharfkantige kleine Steine, die häufig von den Bergwänden bröckeln

Das Preisniveau für Hotel und Essen ist in etwa mit dem in Deutschland vergleichbar. Für den Flug bezahlte ich knapp 400 Euro. Ebensoviel kostete mich Hotels, Pensionen und Essen während dieser sechs Tage.

Das kurzfristige Suchen nach Zimmern bereitete in dieser Jahreszeit keine Probleme, da relativ wenig Touristen  in Zypern waren. In Hauptreisezeiten dürfte es sicherlich schwieriger sein.

Ich bin auf Zypern mit dem Rad direkt von einem Abschnitt zum Nächsten  gefahren.
Alternativ, und ggf. günstiger ist es direkt ein Arrangement zu buchen. Also Flug und Hotel.
Dies sollte man dann in der Mitte der Insel,  am besten in der Hauptstadt Nicosia oder in Kyrènia oder Limassol tun. Mit ein bisschen Kondition kann man von da aus  in Tagestrips die ganze Insel kennenlernen.

Englisch wird im griechischen sowie im türkischen Teil gesprochen. Mit Grundkenntnissen in Englischer Sprache kommt man gut durch.

Grenzübergänge gibt es nur in Nicosia, Pergamos bei Larnaca, Vrysoùles bei Famagousta und bei Astromerìtis

Wenig attraktiv ist der östliche Teil der Insel Mesaoria.

Die Reisezeit Oktober kann vor allem im Inselzentrum oft feucht ausfallen. Gewitter sind an der Tagesordnung. Beste Reisezeit ist Mai/Juni.