Kategorie-Archiv: Vietnam – Laos – Kambodscha – Thailand Nov.2013

Dreiwöchige Radreise von Werner Pongratz

Radtourenreise Asien von Werner Pongratz Nov/Dez 2013

15. Nov. –  6. Dez. Vietnam, Laos, Thailand, Kambodscha

Werte Sportfreunde und Interessierte,

erstmals bei einer Radreise schreibe ich meine Tour auf einen Blog.
Was ist so ein Blog??
Dazu ein kleiner Rückblick auf die letzten 20 Jahre Medien und Historyerfassung.
Handschriftlich hielt ich in den 90er Jahren noch das Erlebte fest. In meinen Radtaschen befanden sich ein Dutzend 24x36cm Filme, eine schwere Spiegelreflexkamera, mit der ich die Highlights festhielt und mich nach dem Entwickeln ärgerte, wenn das eine oder andere Foto nicht so richtig scharf war.
Es hat sich derweil jedoch einiges getan.
Einige der letzten Reisen sind bereits auf der Homepage von Ski&Bike unter Reiseberichte. Diese hab ich immer nachgereicht und unser Webseitenspezialist Christian hat sie dann aufbereitet und auf unsere Homepage gestellt.

Noch zu Christian.
Es ergeht auf diesem Wege von mir ein ganz herzlicher Dank an ihn. Er bastelte trotz seiner ständigen Zeitnot auf die Schnelle noch diesen Blog, auf den ich fast in Realtime Texte und Bilder einstellen kann, zurecht und ich glaube ich kann ihm im Namen aller Mitglieder in Sachen Webseitengestaltung für unsere Homepage allerhöchstes Lob aussprechen.
Selbstverständlich sollten auch weitere Aktivitäten von Mitgliedern in diesem Medium präsentiert werden. Ich mach schon mal die Premiere.

P.S. Während der Reise arbeite ich, soweit Internet zur Verfügung steht, Abends an Textergänzungen und fuege weitere Fotos in den Blog ein. Durch Anklicken der Fotos werden diese mit größer dargestellt und unter dem Dropbox Link stehen alle Aufnahmen zur Ansicht und zum Download zur Verfügung

Hab einen guten Spruch gelesen.

„Die Welt ist wie ein schönes Buch. Wer nie reist kennt du nur eine Seite davon“.

Warum Asien??
Nun, ich hatte im November am ehesten Zeit, die Temperaturen sind in der ausgewählten Region soweit passabel, meinen Kumpel, den Weltenbummler Ludwig, kann ich treffen, das Land soll relativ sicher sein und ich hatte schon vor Jahren mal vor, diese Gegend zu besuchen.
Als Nächstes die Überlegung, was man da in drei Wochen so auf die Reihe bringen kann.
Ich nahm mir fest vor, nicht zu Tageskilometer zu bolzen, sondern auch was anzuschauen. Die Kultur sollte nicht zu kurz kommen.
Zur Alternative stehen zwei Kurse.

Entweder Hanoi, Hue, Saigon, Ghnom Phen, Bangkok,
oder Hanoi, Hue, Savannakhet, Siem Reap, Bangkok.
Bei der ersten Variante, müsste ich jedoch ein Stück mit dem Zug fahren, da 3500km in dieser Zeit nicht realisierbar sind.
Die zweite Variante wären etwa 2400 km. Das wäre, wenn das Wetter mitspielt, machbar. Doch wie sagte schon Beckenbauer.“Schauma mal, dann seh`mas schon“.

Flug/Anreise 15./16. November

Airport München – Doba – Bangkok – Hanoi (insgesamt 18 Stunden)

Im neuesten Dreamliner 787 von Boeing, das ist doch die Type, bei der die Batterien immer brennen. Ganz aus Carbon, super Entertainmentangebot an Bord. Das Essen wär auch ganz gut, wenn man es nicht immer verschlafen würde.
Zwar fühlt man sich als Economyreisender immer noch wie in der Sardinenklasse, jedoch hat sich in den letzten Jahren in der Entwicklung doch einiges getan. So soll so ein Clipper nur noch 3l auf 100 km pro Passagier verbrauchen.

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Etwas Stress kam erst in Hanoi auf, wo wir nach der Gepäckaufgabe Ludwig begrüßen konnten.
Kurz zu Ludwig. Er ist bereits seit März diesen Jahres unterwegs und ist ein alter Radlerkumpel aus Arbing/Osterhofen. Ihm war wohl der Flug zu teuer, deshlab entschloss er sich ab Osterhofen mit dem Rad runter zu fahren. Wir timten es so, dass wir uns in Hanoi trafen. Im Gepäck hatte ich seine Freundin Monika, die ihn die nächste Zeit begleitet.

Auch er hat einen Blog über seine, etwas längere Radreise geschrieben. Unter http://blog.ludwig-jakob.de/ berichtet er von seinen Erlebnissen und Wegstationen.

Etwas stressig verlief es beim Einchecken in Hanoi, wo Monika plötzlich wie vom Erdboden verschwunden war. Ein Zollbeamter fand ihr Visum nicht in Ordnung und stellte ihr ein Neues aus. Das dauerte. Als sie dann noch an der falschen Gepäckannahme wartete, fand ich sie mit etwas entnervtem Gesichtsausdruck.

Wir amüsierten uns noch darüber, da es kein Touri-, sondern ein Arbeitsvisum geworden ist und beschlossen, sie im Straßenverkauf Geld verdienen zu lassen.

17.11. Erster Radtag. Hanoi – Halong 145km

Alle  hochauflösenden Fotos zu diesem Radtag  unter:

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Doch noch kurz zum gestrigen Abend.  Bereits als wir mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel gefahren sind, beobachtete ich das Verkehrstreiben so aus dem Fahrzeug. Dabei war mir  in Gedanken gar nicht so wohl, mich ab morgen und die nächsten drei Wochen ebenfalls in diesem Gemenge bewegen zu sollen. Wir vereinbarten uns zum Essen zu treffen. Unsere Hotels lagen nur etwa einen Kilometer auseinander und ich machte mich auf den Weg dorthin im Zentrum Hanios, was schon ein Abenteuer für sich war. Man konnte man kaum einen Tritt vor den anderen setzen, alles am Bürgersteig ist zugebaut bis zum Rand. Quirliges Leben,  voll mit Rollern, Tuctucs, Essensständen, geschäftiges Treiben im Lärm der Strasse, Händler führten intensive Gespräche, andere  liegen einfach auf dem Boden und schlafen, dazwischen streunen  Hunde,  alle paar Meter andere Geschmackseindrücke, Gehupe, Rauch, Abgase, Grillstände, daneben Schmutz und Abfall, darüber eine nicht gerade vertrauenserweckende Stromverteilung, wo an jedem Masten ein schier unübersichtliches  Kabelgewirr herrscht.  Schon ein Kontrast zu unserer Welt!

Doch nun zum ersten Radtag. Er begann mit einem Schrecken.
Wohl lag es am Jetlag, denn ich wollte früh aufstehen und mein Rad zusammenbauen, welches sich immer noch in der Schachtel im Zimmer befand. Das Telefon leutete  und bereits gegen 10:00 Uhr war die Stimme der Receptionsdame zu hören. Das Englisch durch`s Telefon konnt ich noch nicht vernehmen. Sie wird wohl gemeint haben „Steh endlich auf du alter Sack, unten warten schon Gäste auf dich. “  Im Foye befanden sich bereits Monika und Ludwig. Im Restaurant tauschten wir bei gutem Essen unsere Erlebnisse aus und besprachen, wie der Ablauf der nächsten Tage und Wochen werden soll.

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Um mein Vorhaben zu realisieren, in drei Wochen einige Länder per Pedes zu durchfahren, war ein an sich enger Zeitplan gesetzt. Deshalb der Entschluss, wenn auch etwas verspätet, heute Richtung Ha Long aufzubrechen. Ludwig musste noch zuerst für Monika ein Rad kaufen und wollte  am Dienstag aufbrechen. Nachdem wir uns verabschiedeten ging es, bepackt mit Satteltaschen, hinein in das Straßengewimmel.

Zum Verkehr.

Hab ja in verschiedenen Ländern schon einiges erlebt, aber das was hier abgeht ist schon was Besonderes.

Es ist jedoch ein Chaos, das irgendwie funktioniert.
Um es in kurze Worte zu fassen:
Hupe ersetzt Blinker. (Ich hatte jedoch keine Hupe)
Bewege dich niemals ruckartig, fließe mit dem Strom, Augen und Ohren auf.
Gott sei Dank ist Rechtsverkehr. Doch nicht am Seitenstreifen, wo die Roller und auch ich fahre. Dort fährt man links.
Wenn Gegenverkehr kommt, dann lässt du ihn rechts vorbei. Überholen im Seitenstreifen tut man jedoch rechts.
Man sollte in solchen Situationen nicht zu viel denken, sondern drauf los fahren und das tun, was alle machen.
Und siehe da, es funktioniert!!
Ein deutscher Verkehrspolizist oder ein Beamter des Ordnungsamtes sollten hier mal einen Kurs machen. Kann mir nicht vorstellen, dass dieses Verkehrsaufkommen nach unseren Verkehrsregeln funktionieren würde. Da wär wahrscheinlich die meiste Zeit Stau.
Wie wird’s mir da wohl zuhause gehen, wenn ich mich im Verkehr nach diesen Regeln verhalte??

Als sich nach etwa zwei Kilometern die Anspannung etwas löste, fiel mir auf, ich bin wohl in den Augen der vietnamesischen Verkehrsteilnehmer ein Kuriosum. Neben tausenden Motorrollern, tretend mit Satteltaschen, geschmückt mit dem Ski&Bike Trikot, stach ich deutlich aus der Masse der sich fortbewegenden Zweiräder hervor. Fast jeder schenkte mir ein Lächeln, ein Victoryzeichen und war um so erstaunter, als ich zurückgrüßte.

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Besonders nett waren die Kinder, auf den teilweise mit vier Personen besetzten, stinkenden Rollern oder Mopeds. Manche Fahrer trugen Nadelstreifenanzug, andere hatten eine ganze Hühnerfarm hinten drauf, Einer am Sozius schlief während der Fahrt, angelehnt am Rücken des Fahrers. Angesichts dieser enormen Luftverschmutzung kam die ernüchternde Schlussfolgerung, dass wir in Europa  durch strengere Umweltregeln nie diese Menge an CO2 wettmachen können, was in diesen Ländern, ich denke hierbei vor allem an China, an Dreck rausgepustet wird. Mobilität ist eben nicht nur des Deutschen höchstes Gut. Die Strecke nach Ha Long hatte es in sich. Nun ausserhalb Hanoi, Richtung Osten fahrend, kam in mir der Entschluss die ganze Etappe heute noch zu schaffen und so wurde es dunkel. Beleuchtung auf den Helm geklettet, Rücklicht eingeschaltet und weiter ging`s noch etwa zwei Stunden im Schein des LED Spots. Baustellen und hektischer Lastverkehr machten das Ganze zwar zu einem besonderen Abenteuer, jedoch zu keinem Vergnügen. Erst vor Ha Long Bay auf der beleuchteten Touristenautobahn wurde der Verkehr geringer und es stachen beleuchtete vielstöckige Hotels aus der Nacht.

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Die Wahl eines Mittelklasseschuppens erwies sich letztendlich am nächsten Morgen als Fehler. Beim Betreten des Zimmers erschlug es mich förmlich von einem starken Mottenkugelgeschmack, dachte mir jedoch, dass es sich bestimmt bessert, wenn gelüftet wird, oder die Klimaanlage läuft.  Außerdem war es mir dem Wirt gegenüber peinlich, denn der lud mich zum Essen ein. Vergeblich suchte ich nach dem Auspacken meiner Utensilien nach einem Fenstergriff, doch hinter den Vorhängen war nur Festverglasung. Der Versuch halbwegs einzuschlafen in dieser Luft misslang. Glaube, bin  keine Stunde richtig eingenickt.

 

18.11. 2013, Montag, Zweiter Radtag – Ha Long, Hai Pong Schifftour auf Ha Long Inseln 45km

Alle hochauflösenden Fotos zu diesem Radtag unter:

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Der Tag begann erdenklich schlecht. Neben der miserablen Luft im Zimmer war auch das Bett steif wie ein Brett und das Abendessen wohl auch zu üppig.
Der Schädel tat noch weh von diesem Mief im Zimmer. Der Gestank war auch Tage danach noch  in den Kleidern feststellbar. Gerädert von dieser Nacht, pünktlich morgens um 7:30 wartend vor dem Hotel, um an der gestern noch gebuchten Tagesschiffstour zu den Inseln der Ha Long Bucht teilzunehmen. Das Erste, was der Fahrer tat, war die vereinbarte Kohle zu fordern. Im Mitsubishi Bus, unter einer Hand voll überfreundlich grinsender und ständig fotografierender Japsen, gings schließlich  zur etwa 5 Km entfernten Anlegestelle, wo die ganzen Boote vor Anker lagen und auf Touris warteten.  Dutzende alte, heruntergekommene Kutter, mit durchgetretenen und verfaulten Bohlen tockelten nun fast zeitgleich auf’s Meer hinaus und schemenhaft konnte man die steil aus dem Meer ragenden Inseln vernehmen.

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Anlegestelle Ha Long Bucht

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Seelenverkäufer

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Nach etwa einer knappen Stunde legten wir an und  als erstes war eine  Grottenbesichtigung auf dem Plan. Zuerst ging’s im Gänseschritt auf der engen Treppe, zwischen mit Pad`s und Smartphone bewaffneter  Japsen und Chinesen zum Eingang der an sich imposanten Tropfsteinhöhle. Ein schöne Höhle!  Jedoch zu Kitsch verartet  störte mich die farbige, discomäßige Beleuchtung mit künstlich angebrachten Springbrunnen und wie das ganze Spektakel vermarktet wurde.

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Wir wurden noch zu einem Wassermarkt mit sagenhaften drei Ständen, wo`s verfaulte Bananen gab. Angelegt wurde noch bei einer Fischfarm mit etwa 50 Fischen, weiters die  Möglichkeit an einer Kanutour teilzunehmen (natürlich gegen extra Money). Beim Mittagessen an Bord wurde der Gruppe dargelegt, dass die Tour nicht sechs, sondern nur vier Stunden dauern wird. Ein Franzose wurde dann über diesen Touristennepp ziemlich  sauer und die Stimmung in der kleinen Gruppe erreichte ihren Tiefststand als wir feststellen mussten, dass einige Teilnehmer deutlich überhöhte Preise zahlten.

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Bereits gegen Mittag legten wir wieder an und in mir war der feste Entschluss, erstens nicht mehr in dem stinkenden, streng nach Mottenkugeln riechenden Zimmer zu bleiben-  und zweitens dieses Tourigebiet schnellstens zu verlassen. Erfreulich war noch, dass der Veranstalter nach Reklamation der Gruppe zumindest einen Teil des Geldes wieder zurück erstattete.
Erst  auf dem Rad, angewiedert vom Massentourismus, stieg meine Stimmung wieder.  Ein kurzer Schlenkerer um die Ortschaft Ha Long und wieder zurück Richtung Osten, wo  die dreckige, sehr belebte Straße sich südlich, Richtung Haipong gabelte, dessen Kurs ich einschlug. Nach dem Hafengebiet von Ha Long wurde es wieder so richtig schön. In einer  Fähre unter dutzenden Motorrollern, Schrott-Lkw’s und Fischern auf Hai Pong über den braunen Fluss und die etwa 25 km lange Anfahrt erwies sich als besonderes Erlebnis. Es war wie elektrisierend für mich, in dem ganzen Verkehrsfluss mitzutreiben. Sekündlich neue Eindrücke und Menschen, Menschen, Menschen.

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Es wurde dunkel und es gab in der City von Hai Pong einen Rollermegastau. Bei der Hotelsuche wurde nun immer zuerst das  Zimmer begutachtet, die Atemluft sowie das Bett getestet.  Es gab wieder in einem Restaurant Spagetti mit Seafood und Hanoi Büchsenbier. Etwas unwohl war mir, als in den Speisekartenfotos auf der Karte Piranhas und Schlangen abgebildet waren. Ein Problem ist auch, dass in dieser Gegend wirklich keiner Englisch spricht.

 

19.11. 2013, Dienstag, Dritter Radtag, Haipong – Path Diem 130 km

Alle hochauflösenden Fotos zu diesem Radtag unter:

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Diesmal war das Hotel in Ordnung und ich hatte gut geschlafen. So gegen 9 Uhr stürzte ich mich wieder in’s Verkehrsgeschehen und es war im Zentrum Von Hai Pong nicht anders als in Hanoi.

P1020542 P1020543 P1020546 P1020548An jeder Ampel warteten immer dutzende Motorroller. Immer wenn die dann lostuckern hinterlassen sie eine gehörige Abgaswolke. Dieses Spiel wiederholt sich an jedem Tag millionenfach auf dieser Welt. Fragt sich nur, wie lange der Planet das aushält. Hab schon überlegt, mir auch so einen Mundschutz zuzulegen, den man hier bei sehr vielen Menschen sieht.

P1020541 P1020540 P1020537 P1020536Vielleicht war auch deshalb der Himmel wieder genau so grau wie gestern. Abends wenn ich immer Wäsche mache, sieht man dann den Staub der Straße im Waschwasser. Aber Hauptsache es regnet nicht.
Ich bin jetzt südlich von Hai Pong so richtig in der Provinz und Konversation wird zum Problem. Die Vietnamis sprechen kaum Englisch und egal ob Speisekarte lesen oder sonstige Kommunikation ist ein Problem. Ich geh in ein Restaurant, schau den Leuten auf den Teller und bestell das Gleiche, wenn es mir zusagt. Tja, man muss sich nur zu helfen wissen.
Ich würd ja gern jeden Tag ein bisschen weiter radeln, wenn es nicht so früh finster werden würde. Bereits ab 17:00Uhr muss man eine Bleibe suchen. Werd wohl morgens früher wegradeln.
Schön sind immer die Begegnungen mit den sehr freundlichen Vietnamesen. Wenn man sich auch nicht mit Worten versteht, so bekommt man immer ein Lächeln und ich hatte bisher nur freundliche Kontakte.
Aufpassen muss ich auf mein Sitzfleisch. Präventiv wird es immer mit Bepanthen gepflegt, denn ich hab in den Kanaren schon mal größere Probleme gehabt. Sowas kann einen Radurlaub gründlich verstimmen.

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So hab ich heute schon ein kleines Teilstück des ersten Abschnittes bis zur Kaiserstadt Hue zurückgelegt und werde morgen versuchen nach Vinh zu kommen.

 

20.11. 2013, Mittwoch, Vierter Radtag Path Diem – Vinh 190 km

Alle hochauflösenden Fotos zu diesem Radtag unter:

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Ich hab gut geschlafen.
Der Tag begann mit einem Frühstück und einem Kaffee, in dem der Löffel stand.
Aus den Dorflautsprechern klang kitschige Musik, die wahrscheinlich das arbeitende Volk zur Arbeit aufmuntern sollte. Immer noch besser als den Imam johlend beim Morgengebet zu hören.
Danach auf dem Zimmer die prüfenden Blicke, ob alle Utensilien wieder in die Radtaschen eingepackt sind und nichts auf dem Zimmer liegen geblieben ist. Vor allem die Tasche mit dem Reisepass und der Kohle.
Etwas Bedenken hatte ich im Hinblick auf die Statik dieses Hotels, als ich feststellte, dass die Außenwand im vierten Stock nur 12 cm dick war.
Das Wetter war wieder grau in grau, doch es regnete nicht. Erst nach etwa 10 Km spürte ich kurz ein paar Tropfen, bei denen es auch blieb. Das Sitzfleich fühlte sich gut an und die nächsten 40 Kilometer bis Than Hoa sollten die schönsten der bisherigen Tour werden. Das Navi geladen mit einem Track, den ich von einem Tourenfahrer aus dem GPSies Portal herunterlud. Gegen 9:00 Uhr kamen mir Pulks von radfahrenden Schülern in Einheitskleidung entgegen die alle mit Hi, Hello grüßten.

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Die Erwiderung dieses Grußes erstaunte sie so sehr, dass der ganze Haufen immer laut zu kreischen und lachen begann. Ich weiß bisher zwar nicht, was an mir so lustig ist und machte mir einen Spaß daraus. So ging das 40 Kilometer lang. Ich kam mir vor wie ein Popstar und hab so was noch nie erlebt.   In Than Hoa erwartete ich wieder das übliche Gewimmel, doch weit gefehlt. Teilweise fünfspurige, leere, beleuchtete Autobahnen führten um den Ortskern.

P1020613 P1020612 P1020609 P1020607 P1020598 P1020600 P1020596 P1020594Wohl eine Stadt, die von den kommunistischen Großköpfen so richtig fehlgeplant wurde. Ab da wurde es wieder so richtig ungemütlich. Schwerverkehr gesellte sich dazu und es wurde teilweise stressig.
Die enorme Staubbelastung bewog mich, mir auch so einen Atem-Mundschutz zuzulegen. Nun die Luft war etwas besser, jedoch lief mir die Brille immer an und ich bekam zu wenig Luft.
Die Strecke heute brachte viele Überaschungen. So sah ich plötzlich neben weiteren Vögeln stattliche Fasane in Volieren ausgestellt. Schweine wurden am Straßenrand geschlachtet.

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Nun ein etwas frustierendes Erlebnis.
Gestern sowie heute traf ich jeweils einen Tourenfahrer. Natürlich Deutsche.
Der Eine erzählte mir, er mache ein Sabbatjahr, fährt all die Länder ab und der heute angetroffene Westfale drehte eine Zigarette und berichtete von seiner Weltreise und dass es sich lohnt bis Birma  zu radeln und dies besonders zu empfehlen sei. Er will im März in Bangkok sein. Da es bereits so gegen 14:00 Uhr sei, werde er ein Hotel suchen und die heutige Tour beenden.
Mir fehlten die Worte.

Noch zu den Preisen.
Ich hab bei der Ankunft am Flughafen 200 Euro gewechselt. Schlagartig war ich Millionär. Doch leider nur Dongmillionär!!
5.600.000 Dong erhielt ich dafür. Bin nun bereits vier Tage unterwegs und hab diese Dongs immer noch nicht verbraucht, im Geldbeutel sind noch immer einige Hunderttausende.
Gute Hotels kosten so ca. 8- 12 Euro, Essen 3- 5 Euro. Wär auch für uns ein ganz gutes Niveau.

Da das doch ein kilometerreicher Tag war und ich noch Vinh erreichen wollte, wurde es Nacht. Ich holte die Beleuchtung heraus und es war wieder mal eine adrenalinhaltige Angelegenheit. Man kann sich das gar nicht vorstellen.

Ab Thanh Hoa war es vorbei mit dem schöneren Teil der Strecke. Staub, Baustellen, viel Güterverkehr, LKWs fahren aggressiv, Busfahrer noch rücksichtsloser, doch Jugendliche bewegen sich mit unbeleuchteten Mofas in der Dunkelheit. Plötzlich schneidet einer gegen den Verkehr die Fahrbahn, lautes Hupen, doch wen juckts. Komischerweise hab ich bis jetzt keinen einzigen Unfall gesehen.
Ich muss ehrlich gestehen, die Huperei geht nach etwa 500 Km auf diesen Straßen doch ein bisschen auf die Nerven.
Diese sehr aggressiven Hörner haben einen Schalldruck von etwa 130 Dezibel und das ist absolute Schmerzgrenze. Kopfspalterlautstärke, die ins Mark geht.
Sie hupen oft unnötig und ich kann nicht verstehen, wie da Menschen an dieser Straße leben können.

Interessant war noch das Abendessen. Mit Handzeichen deutete ich,  habe Hunger. Der Portier verwies mich auf das daneben anliegende Restaurant. Da war gerade eine Geburtstagsfeier. Hier im Land steht ja Karaoke hoch im Kurs und ich gesellte mich zu den laut und falsch singenden Vietnamesen, die beherzt ins Micro brüllten. War nach dem Verkehrslärm noch eine nette Zugabe. Im ohrenbetäubenden Lärm der mannshohen Lautsprecher bestellte ich wieder mal etwas, das ich gar nicht wollte. Nämlich acht Tintenfische und Frühlingsrollen. Naja, da ist wenigstens viel Eiweiß drin.
Gut, dass sie wenigstens Bier verstehen. Nach etwa einer Stunde wurde mir die Gaudi zu laut und ich zog mich in die Hotellobby zurück, wo ich diesen Tagesbericht schrieb. Doch ein paar Jugendliche machten in der Lobby eine Geburtstagfeier, zu der sie mich einluden. Fette Sahnetorte und als Nachspeise eingewickelte Würste mit Pfeffersauce.
Dazu Hanoi Bier.

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Erfreulich, dass ich mich nach dieser langen Tour von heute relativ gut fühle und auch das Sitzfleisch nicht mehr weh tut. War ein super Tag

 

6. Radtag, 22.11 Tanh Binh – Thi Xa Dong Ha 153 Km

Alle hochauflösenden Fotos zu diesem Radtag unter:

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Die Nacht war etwas laut neben der Hauptstraße und nach dem ersten Blick aus dem Fenster eine Entäuschung. Klitschnasse Straße und die Pfützen spiegelten sich im Grau des Morgenlichts. Nicht gerade animierend, nun auf das Fahrrad zu steigen. Nach Bezahlung von  8 Euro  ( 250000 Dong) für mein Zimmer, jedoch ohne Frühstück gings wie üblich die ersten Kilometer etwas zäh los. Am Wegesrand roch plötzlich Frischgebackenes und der Blick ging an eine kleine Bäckerei mit frischen Brötchen in der Auslage. Prompt saß ich auf dem abgenutzen Kinder-Plastikstuhl zwischen Pfützen und Hühnern und orderte mit dem Finger zeigend durch die verschmutzte Glasscheibe der Theke. Sogar ein Instant Coffee wurde auf Wunsch  gekocht und die Verkäuferin staunte, was  ein Bayer so alles vertilgen kann. Sichtlich verlegen wurde sie auf die Bitte für ein Foto zu posieren. Erst nach  ausgiebigen Styling (typisch Frau) erlaubte sie einen Schnappschuss. Lächelnd, fast mütterlich, schenkte sie mir als Wegzehrung noch einen Krapfen. Doch nun wieder unterwegs in Phasen, wo es so  richtig schüttete. Mal waren die Straßen wieder trocken, mal wurde ich von vorbeifahrenden Autos aus großen Pfützen ordentlich vollgespritzt . Da der Regen sehr warm ist, ist es einem irgendwann egal und es macht gar nichts mehr aus. Nass ist man eh schon. Schließlich war mir vor Beginn der Reise bewusst, dass um diese Jahreszeit eine Regenwahrscheinlichkeit um 30% herrscht.

P1020659 P1020660 P1020658 P1020662 P1020665 P1020657 Gegen Mittag beflügelte mich einsetzender Rückenwind und ich war bereits um 13:00 Uhr 100 Km gefahren. Reisfelder soweit das Auge reicht, emsig arbeitende Menschen am Wegesrand. Auffällig ist hierbei der hohe Anteil von Kindern und Jugendlichen in der Bevölkerung. Deren Statussymbole sind Mobilität und Kommunikation. Also Handy und Roller. Die Generation vorher fährt Rad.  Mitten in den ewig weiten Flächen dominieren teilweise große christliche Kathedralen, doch vorwiegend buddhistische Tempel den Wegesrand. Vielleicht haben Tebartz van Elsts  Vorfahren auch ganze Arbeit geleistet. Der Magen knurrte schon wieder und es wurde Zeit wieder ein Restaurant zu finden. Doch diesmal wollte es nicht klappen. Einmal waren mir die mich misstrauisch anknurrenden Köder  unsympathisch, beim zweiten Mal schaute es in der Küche nicht gerade vertrauenserweckend aus.

P1020643 P1020642 P1020639 P1020637 P1020645 P1020638Doch đann doch noch eine Überraschung:  In Dong Ha bei Dämmerung angekommen, sah ich einen riesigen Gebäudekomplex und stellte fest, dass es ein Hotel war. Ein 5 Sterne Luxusschuppen. Bisher hab ich für normale Mittelklassehotels 7-Euro bezahlt. Der Preis hier 1000500 Dong. Also 35 Euro. Die noble Dame an der Reception sagte “ Oh Sir, we have a big Price“  Doch 35 Euro hab ich im Schwarzwald für eine Privatpension mit Glaskolben TV  bezahlt. Der Schuppen hier würde in Deutschland wohl über 200 Euro kosten. An der Rezeption lernte ich noch Journalisten des Südwestdeutschen Fernsehens kennen, die eine Reportage über den Ho Ji Minh Pfad machen. Der Portier trug meine dreckigen Radtaschen hoch und ich nutzte die Gelegenheit, in dem riesigen Zimmer mal ordentlich große Wäsche zu machen. Der Tag neigte sich dem Ende zu und morgen möchte ich mein erstes Etappenziel, die Kaiserstadt Hue erreichen.

 

23 .11. 7. Radtag Txi Xa Dong Ha – Hue 100 km Besichtigung Kaiserpalast.

Alle hochauflösenden Fotos zu diesem Radtag unter:

https://www.dropbox.com/sh/0295dbxoond99er/AADbCeTkqJ6FXCXiGxpVaf2ua?dl=0

Diesmal kam ich bereits nach einer Nacht in diesem Nobelschuppen um 8:00 auf’s Rad. Alles  war gut getrocknet und sauber.

P1020691 P1020692 P1020693 P1020695Jedoch begann es aus der Wolkensuppe wieder zu regnen und nach einer Stunde Kurs Süden auf der 1A war  ich wieder genau so nass und dreckig wie ich gestern im Hotel eincheckte. Ich entschloss mich, die Hauptstraße zu verlassen und fuhr an einer deutlich ruhigeren und schöneren Parallelstraße direkt an der Küste entlang.

P1020699 P1020696 P1020702 P1020701 P1020706 P1020707 P1020705 P1020717 P1020715 P1020712 P1020709Leider war die Sicht zum Meer durch eine langgezogene hohe Düne verdeckt, doch waren an meiner Rechten schöne kleine Dörfer, gepflegte, gut erhaltene buddhistische Tempel und ewig scheinende Reisfelder schön anzusehen. Auch vom Verkehrslärm der Hauptstraße war nichts zu vernehmen. Unterwegs zwang mich eine arg knirschende Kette zum kleinen Service am Rad, da sie vom sandigen Nass dringend Öl brauchte. Gegen Mittag kam nach 20 Km gewolltem Umweg vor einer großen Brücke die Stadt Hue zum  Vorschein und nach dessen Querung belebte sich die Strassenszenerie wieder mit regem Treiben und Geschäftigkeit. Eine schöne Stadt!  Wieder quirliges Leben und belebte Straßen. Aus der Magengrube die bekannten Symtome. Schon wieder Hunger. In der Auslage einer Strassenküche suchte ich ein Essen aus, speiste-  und wohl erweckte mein Outfit die Neugier der anderen Gäste. Doch es waren alle  Vietis die kein Wort Englisch sprachen. Es war zwar eine nette Unterhaltung, jeder wusste was gemeint war, doch es erwieß sich als etwas kompliziert. Die Konversation beschränkte sich auf Gesten und Deuten, um etwas ausdrücken zu wollen. Aber auch das kann sehr lustig sein. Die Köchin wollte unbedingt noch ein paar Meter mit meinem Rad fahren, erreichte jedoch im Gelächter Aller die Treter nicht. Schließlich kam ein Typ dazu, der ein bisschen Englisch sprach und der dolmetschte dann. Die Wirtin und die Köchin seien (übriggebliebene)Schwestern und suchten dringend einen Mann. Als schließlich die Oma auch noch eintraf machte ich mich aus dem Staub. Es könnte schließlich sein, dass man verkuppelt wird und redete mich aus, zu der Besichtigung des Kaiserpalastes jetzt aufbrechen zu müssen. Zweimal ging`s zur Orientierung mit dem Rad um den riesigen Gebäudekomplex, der streng bewacht war, und nur zu Fuß betreten werden durfte. So kam es, dass ich so gegen 15:00 Uhr ein Hotel in unmittelbarer Nähe nahm, mich frisch machte und das Rad abstellen konnte. Was den Kaiserpalast anbelangt, so ist das eine überschaubare Angelegenheit.

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Siesta

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TV Fachgeschäft

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Nachrichtentechniker

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Relikte aus dem Vietnamkrieg

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Einer der Eingänge zur verbotenen Stadt

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Am Eingang sind einige verfallene und verrostete Flugzeuge und Panzer aus dem Vietnamkrieg ausgestellt. Das  Wesentliche ist das reich geschmückte Hauptgebäude mit dem Kaiserstuhl. Ein paar hübsche, geschminkte Mädchen, die in Kaiserstracht für Fotografen posieren, stehen rum und lassen sich ablichten.

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24.11.2013, Sonntag, 8. Radtag Hue – Lao Bao/ Grenzstadt zu Laos. 148 km 900 Hm add.

Alle  hochauflösenden Fotos zu diesem Radtag  unter:

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Der Tag begann mit Hochleistungssport beim Nachfassen des Frühstücks.  Hab selten ein derart schön mit exotischen Früchten gedecktes Frühstücksbuffet erlebt. Meine Speicher waren wieder voll, ist auch nötig, denn heut war Gegenwind angesagt. Vorher mussten wieder die Satteltaschen gepackt werden, doch die Trikots waren am Morgen aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit von 90% nie trocken.  So mussten diese immer feucht eingepackt werden um sie  erst einen Tag später einzusetzen, denn nichts ist wichtiger als ein trockener Hoseneinsatz. Die Stadt Hue hinterließ einen schönen Eindruck und das pulsierdende Leben beim verlassen der Stadt war wieder beeindruckend.

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Der Portier vom Hotel gab mir vorher noch den Tipp, die Hauptstraße 1A hoch zu fahren, um diese dann nach 70 Km  vor Dong Ha Richtung Laos zu verlassen. Es war eitel Sonnenschein, jedoch auch ziemlich warm.  Bei Quang Tri gings auf der QL9 landeinwärts und das Gelände wurde kupierter. Die Straße war zwar weniger belebt, jedoch stanken die alten Dieselmotoren der vorbeifahrenden LKWs gewaltig. Immer schön die Eindrücke an der Straße. Mörtel wird noch von Frauen mit Schaufel und Kelle auf dem Boden per Hand angemacht und an Baustellen quirlt es nur so von Menschen. Klar, wenn die Arbeitskraft kaum was kostet. Kurios war wieder mal das Mittagessen. Ich folgte dem Winken eines Wirtes und Aufregung in der ganzen Familie brach aus, als ich mein Rad dort abstellte. Ein Blick in einen Topf machte keinen besonderen Eindruck. Schweineschwanzerl und Innereien! Das daneben sah aus wie Leberwürste. Die bestellte ich. Geröstete Erdnüsse gab`s als Vorspeise und Grünzeugs, das nach Minze/Limonenmischung schmeckte. P1020840

Ein Mädchen zeigte mir dann, dass man diese Wurst dann in Blätter einwickelt, in eine unwahrscheinlich scharfe Sauce taucht und dann so isst. Man hätte all das noch mit den immer bereitgestellten Peperoni toppen können, doch darauf kann man gut verzichten. Gut, dass wenigstens das Bier international ist. Endlos scheinender Tropenwald und tropische Temperaturen umgaben mich. Da in mir Ungewissheit über die Infrastruktur in Laos herrschte, deckte ich mich mit genügend Wasser ein. Das war auch gut so, denn ein  Pass mit 450 Hm kündigte sich auf dem Höhenprofil meines Navis an. So ein Schapperl ist zuhause auf dem Rennrad gar nichts, doch wenn das Rad 39 Kg hat, 39 Grad- und 90% Luftfeuchtigkeit, dann sieht die Sache anders aus. Dann wird`s  ein Wadelbeisser. Mühsam, mit dem kleinsten Gang ging es aufwärts, wobei ein langsam vorbeiziehender Laster mir förmlich die Atemluft nahm.  Schweißüberströmt und platt, die Hoffnung nach einer Kehre, das könnt`s gewesen sein. Doch weit gefehlt. Vor mir eine weitere ansteigende Gerade, null Wind und brütend heiss, kaum  eine schattige Stelle, wo man mal bei einer kurzen Pause was trinken könnte. Endlich angekommen in Hao Bao begutachtete ich noch die Grenzstation zu Laos, an der reges Treiben herrschte. Bananen wurden umgepackt, Straßenhändler und Warenstände und viele LKW`s.  Große Schilder wiesen auf die Nähe des  Ho Chi Minh Pfades  hin, ein Kriegsmuseum stellte Trophäen von abgeschossenen US Helikoptervraks und abgefackelten Panzern aus. Hab gegoogelt, hier ein Link, in dem weiteres über die Geschichte dieser Gegend zu lesen ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ho-Chi-Minh-Pfad

Dieser Pfad war damals Im Vietnamkrieg die wichtigste Verbindungsstraße zwischen Nord- und Südvietnam.

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Die Dongs gehen zủr Neige. Ich hab nun in einer Woche  200 Euro inclusive Hotels und Essen gebraucht. Morgen früh ist gleich ein Besuch bei einer Bank angesagt um Euro in  laotische Kip umtauschen. 1 Euro, 10700 Kip

 

25.11. 2013, Montag, 9. Radtag, Hoa Boa – Savannaketh 140 Km Rad, 100 Km

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Kitschige Discopopmusik  aus den Dorf- Straßenlautsprechern weckte mich auf und da ich am Vortag die ganzen Radtaschen ausräumte, schaute es entsprechend aus im Zimmer. Etwas Unbehagen empfand ich darüber,  was wohl heut alles auf mich zukommen wird. Wie ergeht es mir an der Grenze, wie sind die Straßen in Laos, wie die Menschen. Keinen Kiep (Laos Währung) hatte ich in der Tasche und auch keine Dollar, denn die vergaß ich in München am Flughafen zu tauschen. Nach MEZ war es zuhause kurz nach Mitternacht, als zum gestern noch extra bestellten Frühstück der Kaffee kam.  Ganz neue Erfahrung: Kaffee wurde mit Eis serviert, dazu heisses Wasser. Zwei Weißbrote und  Gurken. Im Vergleich mit dem gestrigen Frühstück ein Trauerspiel. Aber was soll`s, auf zu neuen Taten. An der vietnamesichen Grenze ging es hektisch zu, viele Leute, immer ein Argusauge auf mein Rad und Taschen, viele Schalterstellen, Stamps und ich mittendrin. Dann schließlich vor mir dominant das Grenzgebäude der laotischen Grenze. Der Grenzbeamte machte mir klar, ein Tourivisum sei erforderlich. P1020928 P1020845 P1020904 P1020903

Brav zum wiederholten male die Anträge ausgefüllt. Reisepassnummer, Name, Vorname, Geschlecht, Herkunft…. . Der nett grinsende Mann hinter der Glasscheibe machte mir klar, so ein Visum kostet 40 Euro. Doch hatte ich kurz vorher nur etwa 30 Euro in Laosmoney umgetauscht. Also an der Bank gleich gegenüber nachfassen. Wieder wurde mir ein Bündel dreckiger Scheine mit vielen Nullen für 100 Euro in die Hand gedrückt. Ob der Bankangestellte mich über`s Ohr gehaut hat war für mich nicht nachvollziehbar, die Nullen waren zwar erkennbar, doch die Zahl davor war für mich nicht zu entziffern. Als ich zig teils unlesbare Stempel in den Pass geknallt bekam und nochmal ein weiterer penibler Grenzer alles auf Vollständigkeit pruefte, war es bereits 9:30 Uhr, als  die ersten  laotischen Straßenmeter vor mir lagen. Die Entschädigung waren  feiner Inlinerasphalt, breite ebene Straßen, kaum Verkehr, saubere Luft und man konnte eigentlich positiv überrascht sein von diesem Land. Auch gab es die ersten dutzend Km Stände, wo die wichtigsten Dinge gekauft werden konnten. Ein Glücksgefühl kam auf. Auf Laoserkundung genoss ich die Natur und freute mich über die netten grüßenden Menschen am Wegesrand. Es ist ein armes Volk. Nackte Kinder, Baracken auf Stelzen, wohl wegen der Bodentiere.

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 Doch so gegen Mittag nach ca 60 Km wieder das alte Signal aus der Magengrube.”HUNGER”. An einer Straßenküche wurde mir  trotz deutlicher Handzeichen, rechte Hand zum Mund führend, linke Hand zum Essen deutend, nur zwei Heinecken und Zigaretten gegeben. Die bekam sie gleich wieder. Zerknirscht ein erneuter Versucht der Erklärung. Doch wollte die Gute das nicht kapieren.  Entnervt kam nach einer viertel Stunde ein weiterer Laden, der wie ein Restaurant aussah, zum Vorschein. Dort standen Plastikbeutel mit essbarer Füllung auf einem Tisch, welche ich als Brotzeiten deutete und den, wo  eine Tomate und Nudeln drin zu erkennen waren, erwarb. Nachdem mir ein Teller gereicht wurde, die ersten, mühsam mit Stäbchen gegessenen Happen. Naja, ganz schön würzig!  Nach etwa fünf Minuten begann die Nase zu laufen, es fühlte sich so an, als ob sich mein Gaumen auflöse, die zwei Heineken waren innerhalb weiterer fünf Minuten ausgeschwitzt. Tränen kamen auch dazu. Sicherlich hatte ich eine entsprechen rote Birne und innerlich fühlte es sich an, als liefe der Countdown für einen Raketenstart. Es waren Glasnudeln und eine Art angebratene Wurzel, die ich nicht deuten konnte. Der schlimmste Teil des Szenarios dauerte etwa 10 Minuten, aber was soll`s,  man muss es positiv sehen. Es reinigt mit Sicherheit die  inneren Organe  und machte mich des Weges. Aus dem Inlinerasphalt wurde grober, welliger Teer mit tiefen Löchern, Schotter  und viel Staub.P1020950 P1020951 P1020956 P1020953 P1020957 P1020946P1020945

Die Satteltaschen wurden gebeutelt und meine Grip Ship Schaltung machte Probleme. Während der weiteren Kilometer ein Gedankenspiel, ein Horrorszenario. Ein ausgehungerter Radfahrer liegend am Wegesrand im Tropenwald, ausgezehrt und dehydriert, Radpanne, kein Licht, unbekannte Stimmen aus dem Urwald, und ich muss da übernachten. Sorge bereitete mir, dass  seit etwa 130 Km kein Guesthouse, Hostel oder irgendeine Art von Unterkunft, zu sehen war. Man ist eben nicht mehr auf der A1 in Vietnam. Grübel, grübel. Die Distanz bis Savannaketh sind 240 Km. Die Hoffnung, eine Bleibe für die Nacht auf der Strecke zu finden, bestätigte sich nicht. Also: entweder in die Nacht hineinfahren und total platt in Savannaketh ankommen, oder auf einem KFZ anheuern. Welch Glück, dass mich nach 140Km ein Pickupfahrer, so eine Art Minibus  mit vielen Menschen drauf, mitnahm. Schon ein bisschen komisch die ersten Kilometer, hinten auf dem Pickup, mal nicht selbst mit dem Rad unterwegs.  Obwohl der Fahrer ganz schön flott unterwegs war kam der Bus erst  in der Dunkelheit, die Insassen hergebeutelt zwischen Reissäcken und Schachteln, in  Savannaketh an. Hier gab es auch Hotels und ich suchte mir einen, wenn auch teuren Schuppen mit Internet, Klimaanlage und Restaurant direkt am Mekong Fluss. Morgen wird sich das ganze Spiel wiederholen, den dann geht es nach Thailand.

26.11. 2013, Dienstag, 10. Radtag Savannaketh, Laos – Yasothon, Thailand 151 Km

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Morgens, oh Schreck. Hunderte Mücken im Zimmer. Sie kamen aus der Klimaanlage, schienen jedoch nicht stechwütig zu sein. Doch sah ich an der Bettwäsche, dass sich Nachts Einige an mir bedienten. Es war immer angenehm, wenn man ein Hotelzimmer im Groundfloor bekam. Das Rad konnte reingeschoben werden, kein Taschentragen über Flure, Treppen oder Fahrstühle. Es war auch eine Erleichterung beim morgendlichen Aufrüsten, wenn man die am Rad hängenden Satteltaschen einfach wieder einräumen konnte. Kleidersäcke  verstaut, Wasser auffüllen, Luft kontrollieren, Zimmercheck ob nichts liegengeblieben ist,  Hotelrechnung zahlen …. All dies war ja zwischenzeitlich Routine. Kam mir schon vor wie ein Nomade!! Ziemlich sauer war ich einmal, als mir die Tante an der Rezeption versicherte, mein Fahrrad werde sicher verräumt, jedoch nach drei Stunden sah ich es noch immer vor dem Hotel stehen.  Machte ihr klar, wie wichtig der Untersatz für mich ist, worauf sie, sichtlich verlegen,  schnell in meiner Gegenwart den Boy beauftragte, es an einen sicheren Ort zu bringen. Da ich Dödel wohl meine gute Landkarte irgendwo liegen hab lassen, wollte ich mir in Savannaketh eine Neue besorgen. Dabei lernte ich zwar die Stadt kennen, doch nach vielen Kilometern und mehreren Bookstores war mir kein Erfolg beschieden. Ich musste den Mekong über die Friendship Bridge queren und befürchtete schon wieder viele Formalitäten an der Grenze. Doch diesmal ging es schneller. Auf der laotischen Seite erklärte man mir, man könne über die einen Kilometer lange Brücke nicht mit dem Rad fahren, sondern benötige ein Pickup. Ein freundlicher Thai nahm mich mit und drüben erklärte man mir, dass ich in Thailand kein Visum brauche und dass Touris einen Monat lang bleiben dürfen. P1020966 P1020970 P1020961 P1020975 P1020986Obwohl noch Bündel Laosgeld in der Tasche, genau nachgerechnet war der Wert jedoch nur 11 Euro, besorgte ich gleich am Automaten Thaibath und los gings. Es schien ein sehr heißer Tag zu werden und nachdem wieder eine Landkarte mein Eigen war, radelte ich gen Süden los. Die Sonne knallte vom Himmel und meine Haut war oberflächig fast ganz mit Creme bedeckt.  Da es mir die letzten Tage mit Socken und Radschuhen deutlich zu heiß war, kam der Entschluß auf die Klickis und Socken zu verzichten. Doch  sichtbare Hautbereiche am Oberfuß waren, da keine Sonne gewöhnt, schnell  angerötet.  So, aber nun zu Thailand. Der Linksverkehr stellte kein Problem dar. Nur im Kreisverkehr war vorherige Überlegung gut. Problematisch wurde es zuerst  bei größeren Rondellen, wo es galt sich richtig einzureihen, da innere oder äußere Bahn definiert werden mussten. Hierbei war bei Fahrzeugen die selbstbewusst und dominant mit hoher Geschwindigkeit in den Kreisverkehr schnitten, besondere Aufmerksamkeit geboten. War immer eine Situation, die viel Konzentration erforderte. So fuhr ich nach Mukdahan, westlich des Mekongs,  Richtung Süden, wo es wenig spektakulär war. Autobahn soweit das Auge reicht und gegen Mittag knallte unerbärmlich die Sonne bei weit über 30 Grad vom Himmel. Keine Kinder grüßten mehr vom Straßenrand, nur die betörenden Rollgeräusche der überholenden Fahrzeuge und noch 120 Km bis zum Tagesziel Yasothon. Bei zahllosen Ständen am Straßenrand trank ich ausreichend und sorgte für genügend Flüssigkeit im Körper.   Erst gegen 15:00 Uhr schützen  Cumulis zumindest teilweise vor der aggressiven Sonne. Es war ein unspektakulärer Tag, aber der Zeitplan war eingehalten. Am nächsten Morgen galt es früh loszufahren um in die Nähe der kambodschanischen Grenze nach Surin oder Prasat zu kommen. Glück war mir dieses mal mit dem Hotel beschieden. Mein Garmin kann ja Vieles. Da war doch eine Funktion im Routenplaner „Points of Interest“. Per Touch Screen wurde  der Kasten beauftragt ein Hotel zu suchen. Prompt routete es mich zum  http://www.thegreenparkgrand.com Es war ein Nobelschuppen für Butterbrot. Ich schämte mich gegenüber dem Boy, der eifrig sich der Radtaschen annahm, über deren Zustand.  Er könne sich schließlich seine perfekt gebügelte Hose schmutzig machen.  Bei einem ausgiebigen Duschritual wurden diesmal auch die Satteltaschen mit gereinigt. Beim Abendessen im Hotel war ich wieder in eine Karaoke Firmenfeier geraten. Wärend die vegane Speisenauswahl diesmal vortrefflich gelang, sangen bei einer Firmenfeier Mitarbeiter  wie die Vietis laut und lesen den Text dabei vom Bildschirm. Anschließend werden die Solisten stürmisch  beklatscht und mir Rosen beschenkt. Ich hatte dem Hotelmanager vorgeschlagen mal eine bayerische Blaskapelle spielen zu lassen. Die Kosten für den Flug waren ihm aber zu teuer.

27.11. 2013, Mittwoch, 11. Radtag , Yasothon – Prasat 170 Km

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Beim ersten Blick aus dem Hotelfenster Freude. Die Fahnen wehten sanft in meine Fahrtrichtung, also wieder leichter Rückenwind. Doch nach dem Frühstück beim Aufsatteln der erste Schock. Platten am Vorderreifen! Irgendwas stimmte nicht, der neue Schlauch verlor auch Luft, aber schien doch bei weniger Druck zu halten. Da  an meiner Luftpumpe sich eine Wechselventilschraube verabschiedete, musste noch eine Neue besorgt werden. Strahlend blauer Himmel und bereits um 8:30 Uhr ganz schön heiß. Die ersten Kilometer liefen gut, kein Berg, ewig gerade aus, gute Versorgung am Straßenrand, zig Kioske, wo in großen Kühlschränken mit Glastüren Kühles ausgestellt war. Ich zog es vor, mir eine Wassermelone reinzuziehen und schnell war der Vormittag vorbei.

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Es ging weiter Richtung Süden. Vormittags wurde die rechte Körperhälfte geröstet, am Nachmittag die linke. Sonnenschutz ist wichtig! Drum eine dicke Schicht auf die freien Hautflächen und gegen Mittag kam mir eine der zahllosen Straßenküchen mit schützendem Blechdach gerade gelegen. Dabei unterlief mir ein Fehler. Meinen  unsagbaren Durst löschte ich statt zuerst mit Wasser gleich mit Localbier. Nach zwei Halben und dem Essen nickte ich hinüber.  Erst nach einer guten  viertel Stunde weckte mich das Gelächter einer  Gruppe kichernder Thaifrauen vom Nebentisch. Naja, Rad, Tasche mit Dokumenten und Kohle noch da. Glück gehabt!! Anschließend der Versuch meinen schweren, müden  Körper wieder aufs Rad zu hieven, schließlich muss es weitergehen. Mühsam die ersten Treter  und schließlich rollte das Rad wieder. Sengende Mittagssonne, kaum Schatten und dann wieder dieser Vorderreifen. Als die Felge schon aufging musste abgestiegen werden, doch es war nicht daran zu denken, hier in dieser Bruthitze den Schlauch zu wechseln und Schatten war so um die Mittagszeit weit und breit nicht gegeben.  Also CO2 heraus, schließlich waren da doch  4 Ampullen in der  Werkzeugtasche. Doch bei erstmaliger Verwendung dieser  Dinger die Feststellung, dass für so einen Tourenradschlauch zwei nötig waren, um genug Luft drinnen zu haben. Zuerst hielt der Schlauch 20 Km, dann 10, dann war unmittelbar nach dem erneuten Aufpumpen Schluss. Gleich wurde der eh sperrige Mantel in der vorderen Radtasche mit gewechselt. Trotz dieser Pannen war gegen 16:00 Uhr bereits Surin erreicht und bei einsetzender Dunkelheit waren ging`s noch weiter bis  Prasat. Also Bonusmilen für den heutigen Tag. Es geht ab 17:00 Uhr alles sehr schnell. Die Temperaturen werden etwas erträglicher und dann wird es auch schon dunkel. Ab 17:30 Uhr ist Schluss. War zufrieden. Wieder 170 Km geradelt und in mir  die  Hoffnung, wenn die Grenzformalitäten nach Kambodscha nicht zuviel Zeit  beanspruchen, Siem Reap morgen zu erreichen.  Auch ein Hotel wurde schnell gefunden.   

28.11. 2013, Donnerstag,12. Radtag, Prabat ,Thailand – Siem Reab, Kambodscha

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Nachdem ich nun 350 Km in landschaftlich relativ unattraktiven Provinzen und großer Hitze in Thailand unterwegs war, war in mir ein positiver Eindruck von diesem Land. Mich begeisterte die Wesensart der Thais. Alleine die Art des Grüßens wirkt sehr respektbetont und ist schön anzusehen. So falten sie die Hände und nicken, dass sie meist mit den Fingerspitzen die Nase berühren. Doch auch die letzten 40 Km bis vor die kambodschanische Grenze begleiteten mich, wie auf all den Kilometern im Land, die Riesenposter des Landesmonarchen mit Frau und Regimetreuen. In riesigen Plakaten mit üppigen, verzierten Goldrahmen  grinsen sie aufs Volk hernieder, teils als gütige, weise Herrscher abgelichtet. Dabei kamen Erinnerungen von Medienberichten auf, über die Unruhen in Bangkok, die glaube ich erst vor zwei Jahren im Fernsehen kamen, welche durch das Militär niedergeknüppelt wurden. Doch  weiß ich im Detail zu wenig darüber und ich war schon gespannt, was mich in Kambodscha so alles erwarten würde.

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In Phon Thong war noch reges Markttreiben und es kam die Idee, mir ein leichtes, langärmliges Hemd zu kaufen. Meine Arme waren von der Sonne geröstet und Ganzkörperabdeckung wäre sicherlich gut. Die Radtrikots erwiesen sich bei so großer Hitze nicht als so ideal. Doch entsprechende Hemden gab es nur in Kindergrößen. Dafür waren reichlich  gegrillte Maden und Heuschrecken in den Auslagen.. Auch herrschte reger Fahrradhandel. An der Grenze füllte ich zum wiederholten Male die Unterlagen für das Visum aus und ähnlich wie in Laos wurde es wieder 10:30 bis die Grenze überschritten werden konnte. So, nun wieder Rechtsverkehr.

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Ein Grenzer, selbst Radfahrer, zeigte sich sehr interessiert an meinem Tourenrad. Es ging bergab und ich sah vor mir unendliche Weiten und eine vorerst gute Straße. Geschmack von verbrennendem Plastik lag in der Luft und der Straßenrand glich zuerst einem langen Müllhaufen.  Es lagen noch 160 Km bis Siem Reap vor mir und ich bemühte mich Tempo zu machen. Mir war klar, dass ich abends wieder mit Licht fahren musste. Das Land war nun im Vergleich mit Thailand wieder deutlich ärmer. Die Versorgung an der Straße war gut und es gab alle paar Kilometer die Gelegenheit Wasser oder Essen zu kaufen. Das Volk ist ähnlich arm wie in Laos und kein Vergleich zu Thailand. Die Menschen waren jedoch ausnahmslos freundlich. Sie lebten am Straßenrand auf Pfahlbauten, besser gesagt Bretterbuden. Sie ernährten sich von Fisch, den sie vorwiegend aus an der Straße liegenden Weihern fischten, oder von den Rindern und Ziegen, die einem oft auf der Straße begegneten.

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Das Mittagessen war auch wieder ein Gaumenschmaus der besonderen Art. Endlose Geraden, von Sümpfen und Wald umgeben und als Zugabe noch ein ordentliches Tropengewitter, wo die Blitze vor mir nur so eindonnerten. Ich war klitschnass und hab noch nie so einen warmen Regen erlebt. Fast wie in der Badewanne.

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So kam ich nach 110 Km endlich an den National Highway 6 und hatte noch 50 Km bis Seam Reap. Der Verkehr wurde mehr und zu allem Übel wieder viele Constructions, wo es entsprechend dreckig zuging.  Alles in allem war es jedoch heute, trotz Tropengewitter, nicht so heiß  wie die letzten Tage in Thailand.  Der Hintern tat schon weh und ich war froh Siem Reap zu erreichen, wo es nur so wimmelte von Touristen. Entlang des Highways pompöse Luxushotels und zahllose Busse. Genau mein Ding.  Beim zweiten Hotel checkte ich ein und freute mich, dass morgen nicht schon wieder eine große Etappe vor mir lag. Mein Sitzfleich braucht Erholung.  Es soll morgen ein genüsslicher Ruhetag werden, wo die Besichtigung der  Tempelanlagen  geplant war.

29.11. 2014, Freitag, 13. Radtag, Besichtigung Angkor Wat – Siem Reap 70 Km

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Eitel Sonnenschein, wieder ein heißer Tag. Diesmal, nach einer geruhsamen Nacht  gings erst so um 10:00 Uhr los, die Tempelanlagen zu besichtigen. Der gestrige Tag hatte es schließlich in sich.

Auf einem Areal von einigen dutzend Quadratkilometern stehen diese zwischen Sümpfen und Tropenwald, etwa 20 Km nördlich des Tonle Sap, dem größten See von Kambodscha. Daneben auch noch die Anlage Angkor Tom und weitere gigantische Bauten oder Ruinen. Es gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Hab in stilistischen und religionshistorischen Studien gelesen, die Anlagen seien so im 12.- 13. Jahrhundert  entstanden.  Während des 15. Jahrhunderts wurden die Tempelanlagen teilweise von Siamesen gelpündert. Ein weiterer Grund für den Zerfall ist, dass sich die Khmer ab dem 13. Jahrhundert dem  Buddhisums zuwandten, weshalb keine neuen Tempel mehr errichtet, oder die vorhandenen saniert, wurden. Hinzu kam die Abholzung sämtlicher Wälder durch die Khmer, sowie Missernten durch versiegendes Wasser und den damaligen Klimawandel.

Persönliche Erfahrung , im Gegensatz zu den Ha Long Inseln sowie die Kaiserstadt Hue in Vietnam, ist Angor Wat absolut sehenswert. Aber das ist Subjektiv, jeder erlebt und beurteilt es auf seine Weise.  In Angor Wat ist  es gut, wenn man ein Rad dabei hat. 15 Km waren es vom Hotel bis zur Einfahrt der Tempelanlagen, wo man ein rießiges Gelände vorfindet. Mit etwas ungutem Gefühl sperrte ich das Rad neben einer Parkanlage mit Bewachung ab, um sicher zu gehen, dass mein wertvoller Untersatz nicht geklaut wird. Es ging nun weiter zu Fuß in die Tempelanlage des Hauptkomplexes.  Doch hier sollen die Bilder sprechen. All dies zu beschreiben würde Seiten verschlingen.

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Fünf Stunden Ruinen, Denkmäler, Steine, Buddhas, Touristen, treppauf, treppab. War es auch eine sehenswerte Stätte, so wirkt irgendwann alles gleich und es reichte mir. Mein altes Problem kam wieder auf. Ich fühl mich zwischen diesen Touristenmassen nicht wohl. Eine Frau machte ein verführerisches Angebot und als sie mich ansprach wurde ich schwach. Sie lockte mich zu einem sehr belebten Tourifootlokal etwas hinter der Straße.  Das Essen war so üppig, dass bereits nach einer Stunde später schon wieder Hunger aufkam. Interessant, wie plötzlich auf Trillerpfeife eines Guides, von “Grasshopper Adventures”eine größere Gruppe das Restaurant verliess und gemeinsam auf Räder stiegen. Es war eines jener Arrangements, die ich mal in einem Reiseprospekt gelesen habe. “14 Tage geführte Radtouren durch Kambodscha” so ca. 3500 Euro. Täglich 30 – 60 Km. Da dacht ich mir “Nein danke”.  Nach meiner Marscheinlage zwischen den Tempelanlagen kam Freude auf, als mein Steppenwolf Rad noch da stand, wo es abgesperrt wurde.  Ich hatte den Eindruck, dass dieses Angor Wat wohl im ganzen Land die größte Sehenswürdigkeit darstellt. Dutzende Kilometer fuhr ich durch endlose Weiten in diesem Land, wo die Menschen am Existenzminimum leben, nur Sumpf und Tropenwald-  und plötzlich Luxushotels, Tourismus und prodelndes Leben, natürlich mit Motorrollern soweit das Auge reicht. So, der Tag hätte noch drei Tagstunden und  es ist klarste Sicht von Pol zu Pol.  Beim Vorbeifahren konnte ich mich an einen Helistar Store erinnern. Da kam mir der Gedanke einen Rundflug zu machen. Das wäre doch heut noch ein Zuckerl. Es klappte!! Unkompliziert forderte mich die nette Dame im Büro nach der Bezahlung auf, mit dem Rad zum 7Km entfernten Flugpatz zu fahren. In einer Stunde wär`s möglich. Hier sagen mal wieder Bilder mehr als Worte.

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Am Abend war noch ein Besuch der Innenstadt  Siem Reap und Geldwechsel auf dem Plan. Nachdem wieder reichlich Kohle im Portemonnaie war gab es gegrillten Fisch mit köstlichen Saucen.  Das Gemenge auf der Straße in der Rush Hour,  vom Restaurant aus beobachtend, war eine kostenlose Zugabe. Es ist immer wieder faszinierend, wie der Verkehr hier abläuft. Wenn einer in eine Straße einfährt, so schaut er nicht. Nein,  er fährt nur. Teilweise quasselt er am Handy oder ist mit seiner Fracht beschäftigt. Die anderen weichen einfach gleichgültig aus. Selbst wenn Kühe die Straße überqueren wird an ihnen hinten und vorne ausgewichen. Diesem Verhalten einfach folgend, funktioniert das auch bei mir.  Ein Typ auf dem Roller hatte eine 2 Meter Matratze quer stehend befestigt und fuhr gegen die Fahrrichtung, natürlich ohne Licht. Bezüglich Beleuchtung muss man überhaupt aufpassen. Denn so mancher Roller hatte überhaupt keine Beleuchtung.  Morgen ist, nach diesem Ruhetag, wieder eine etwas härtere Etappe angesagt. Es liegen nun knapp 2000,  traumhafte Km hinter mir, heute allein 70, nur so vom Rumrollen. Nächsten Donnerstag geht`s wieder in den Flieger, zurück in`s kalte Europa. Jedoch noch an den Golf von Thailand zu kommen, wäre schon gut. Doch kam die Überlegung auf,  den relativ unattraktiven Streckenabschnitt Richtung Westen durch Kambodscha, Sisophon, Poipet, evtl. mit dem Bus zu fahren, um dafür nochmal ein bisschen Küste zu radeln.

30.11.2013, Samstag, 14 Radtag, Siem Reap – Pampa 159 Km Bus, 84 Km Rad

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Tja, gesagt, getan. Ich hatte in der Reception meines Hotels in Siem Reap wegen einer Busverbindung angefragt und ähnlich wie gestern beim Hubschrauberflug war es ein Telefonat und nach einer stressigen Stunde später sah ich mich im überfüllten  Bus Richtung Westen, auf einem Teil der Strecke, wo ich vorgestern hergefahren bin. Die Busfahrt über 160 Km nach Aranyaprathet dauerte mit Pausen fast bis Mittag. Das Rad wurde mit Satteltaschen aus dem Bauch des Busses gezogen und in mitten einer belebten Kreuzung musste es bei großer Hitze wieder zusammengebaut werden. Die Erwartung, die Grenzformalitäten würden sich, da ja erst in Thailand gewesen, auf ein Minimum beschränken, erwies  sich als Trugschluß.  Wieder quirliges Leben an den Borderlines und Menschen, Menschen, Menschen. Bei der Ausreise an der kambodschanischen Grenze wurden alle Finger an beiden  Händen gescannt, im Pass wurde gestempelt was das Zeug hergibt und ich dachte das war’s. Denkste!! Anschließend ging’s vor der Thaigrenze von einer Warteschlange in die Nächste. Zwischen hunderten von Rucksacktouristen und endlos scheinendem Warten nun endlich wieder Thaiboden unter den Füssen (Rädern). Ärgerlich, dass bei soviel Grenzgängern teilweise nur zwei von sechs Schaltern belegt waren. Das Ganze dauerte gut zwei Stunden und der betriebene Sicherheitsaufwand war für mich unverständlich.

 

P1030328 P1030329 P1030327 P1030326 P1030332 P1030321 P1030320 P1030323 P1030334 P1030333Endlose gerade Straßen führten zuerst ein Stück westlich, und dann Richtung Süden auf der 3395 nach Chanthaburi. Die Gegend entlang der Küste soll sehr schön sein. Hab auf der  Karte  gesehn, dass Thailand auf  der Westseite des Golfes noch etwa 1000 Km in den Süden bis Malaysia reicht. Wär doch wieder mal eine tolle Radtour.  Gegen Nachmittag kam wieder großen Hunger auf und nun schon als erfahrener Gourmet hatte ich Geschmack an dieser Küche gefunden und zeigte den Straßenköchinnen was so auf den Teller soll. Glasnudeln, Chickenfilet, Grünzeugs, köstliche Knospen,  würzige Brühe aus einem großen Topf, heiß serviert , scharf gewürzt nach Rezept des Hauses. Dazu Localbier und 1 Liter Wasserreserve zum Mitnehmen. Kostet umgerechnet etwa 4 Euro. Ich zog es immer vor, Küchen aufzusuchen, wo man die hygienischen Verhältnisse einsehen kann. Weiters war es immer eigenartig, warum die Menschen hier in der großen Hitze immer was Heißes essen, kann aber nun selbst berichten, dass es mir gut tut und  anschließend wieder Kraft in mir ist. Sorge kam am hereinbrechenden Abend auf wegen dem Quartier. Doch siehe da, mitten in der Pampa, ein Westernrestaurant mit Ferienanlage.  „Cowboy in Love“ stand in beleuchteten Lettern groß an der Straße. Beim Abendessen  war ich zeitweise  der einzige Gast.  Eine Band spielte falsch zum Einschlafen, aber das Zimmer war in Ordnung. Lediglich eine Eidechse musste noch gefangen werden. Diese sind aber brav und tun nichts. Nur die kam mir immer in’s Bett. Doch nun zur weiteren Reise. Ich hatte nun fast die ganze Route, die ganzen Länder so wie geplant abgeradelt und hatte mir eine Sicherheit, sollte irgendwas Unvorhergesehenes dazwischenkommen, von drei Tagen eingebaut. Schließlich will ich den Flieger nicht versäumen. Ich bin weit gekommen und bis dato hat alles gut geklappt. Werd mir die nächsten Tage an der Küste viel Zeit nehmen und vielleicht die Gegend um Rayon genauer anschauen.