Kategorie-Archiv: Vietnam von Werner Pongratz

Dreiwöchige Radreise von Werner Pongratz

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4.12. 2013, Mittwoch, 18. Radtag, Chonburi – Bangkok 100 Km – 19. Tag – Abreisetag

Wie schnell doch die Zeit vergeht. drei Wochen sind um, und kaum man sich`s versieht sitzt man wieder im Flieger heimwärts.  In den frühen Morgenstunden  fiel in mir die Entscheidung, nun doch nach Bangkok weiter zu radeln. Hab in den Medien den Stadtbezirk, den es zu meiden gilt,  auf Google gesucht.  Die Position meines Hotels liegt 15 Km entfernt, also müsste es passen. Nach einem Thaifrühstück, heiße Suppe, Chicken und Reis,  ging’s durch das Zentrum von Chonburi- Kurs Norden. In mir spulten sich die letzten drei Wochen ab und es wird wohl noch eine Zeit dauern, um all die Erlebnisse zu verarbeiten. Hab noch den Spiegel am Rad noch nach rechts umgebaut, um den vorbeifahrenden Verkehr besser beobachten zu können. Der gestrige Streckenabschnitt war ja, wie beschrieben, schon ziemlich belebt, aber was sich nun heute auf der Straße vor Bangkok abspielte, erreichte eine neue Dimension. Bereits 50Km vor dem Zentrum  nun Autobahnen,  teilweise dreistöckig auf Säulen,  dicht frequentiert, mit bebender, lauter Geräuschkulisse und tausenden LKWs, die ihre rußschwarzen Dieselschwaden in die Luft pusteten.  Teils konnte man kaum noch atmen.

P1030437Bedenklich, was die Spezies Mensch da so anrichtet.  Wie lange kann unser Globus das aushalten?? Was tun wir den nächsten Generationen an??

Ach ja, das Rad steht vor Dreck. In einer Waschanlage ließen es sich die Boys nicht nehmen, mal was anderes als Taxis zu reinigen. Interessiert musterten sie jedes Technikdetail eines so für sie      außergewöhnlichen Fortbewegungsmittels und sie nahmen absolut kein Trinkgeld für ihre Dienstleistung.

P1030431Einfliegende Jets kündigten die Nähe des Flughafens an und als Nächstes, so gegen Mittag, war auf dem Plan am Flughafen im Qatar Airways Office wegen meines Fahrrads anzufragen. In München wurde das Zusatzgepäck ohne Mehrpreis akzeptiert, da das Gesamtgewicht unter 40 Kg lag. Wie es nun das Personal in Bangkok sieht, musste abgeklärt werden. Also Anfahrt mit dem Rad zum Flughafen. Etwas unsicher war ich schon, da die Highways auf Stelzen und der hektische Verkehr doch Eindruck machten. Doch wenn Mofas am 2-3m breiten Seitenstreifen fahren, dann dürfte es keine Probleme geben. So war es auch. Alleine ca. 30 Km waren im Bereich des großräumigen Airports auf dem Tacho. Da ist München ein Provinzflugplatz.

P1030458Die nette Dame von Qatar erklärte freundlich, dass auch hier keine Zusatzkosten anfielen und die Gewichtsverteilung der Gepäckstücke tolerierbar sei. Sie lasse das unter der Ticketnummer vermerken. Puhh, so nun zum Hotel. Die bereits vor der Abreise in Deggendorf gebuchte Bleibe in der Nähe des Airports wurde schnell gefunden. So das war’s. Radsaison 2013 beendet.  Abends noch ein Versuch in das 25Km entfernte Zentrum zu kommen, doch nach 5Km Stopp and Go entnervt den Bus verlassen, japanisch gegessen- und wieder zurück zum Hotel. Die Japsen haben kleine Mägen!! Als Nächstes musste noch eine Radschachtel organisiert werden. Der Fahrer des Hotels meinte, er müsse 1000 Bath berechnen, um eine passende Box in einem Bicycleshop, wahrscheinlich am anderen Ende Bangkoks, zu organisieren. Doch siehe da, etwas Glück braucht der Mensch. Ein Blick hinter das Hotel und dutzende Kartons boten sich an. Beruhigt, nun auch dieses Problem im Griff zu haben, ging’s in die Falle.

Am nächsten Morgen die Packprozedur, die anstrengender war als das eigentliche Radfahren.

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Alle Fotos von diesem Radtag unter:

https://picasaweb.google.com/27werner/18Radtag412?authkey=Gv1sRgCNzxod3Wyr7pCA

 

So long, bis zum nächsten Auslandseinsatz.

 

 

 

 

3.12.2013, Dienstag, 17. Radtag, Pattaya – Chonburi 70Km

 

Ich hatte relativ gut geschlafen und war im gegenüberliegenden, großen Straßenrestaurant um 8:00 Uhr der erste Gast. Reges Treiben um mich. Frisches Obst, Gemüse, Fleisch wurden angeliefert, Theken befüllt und für den Tag angerichtet. Das ganze Personal, Köche, Bedienungen, Hilfen waren gut gelaunt, lächelten, machten Scherze und sangen mit der Radiomusik. Ich selbst hatte Spaß daran und genoss dieses Umfeld. Nachdem ein  frisch gepresster Kiwisaft mein Frühstück krönte, begab ich mich zum Hotel um die Radtaschen zu packen, denn ich wollte heut zumindest noch nach Chonburi, um dort noch die Lage in Bangkok nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Da gestern in der Dunkelheit  nur ein Teil von Pattaya zu sehen war, sollte die  Gelegenheit genutzt werden  und so rollte das Rad mit mir noch eine gemütliche  Ehrenrunde. Aufgesattelt  ging`s noch durch die Sois an der Coast,  um schließlich nach zwei Stunden ab der  Working Street  wieder auf Strecke Richtung Norden zu gehen.

P1030386 P1030388 P1030389 P1030390 P1030392 P1030353Doch Pattaya lebt anscheinend nur am Nachmittag und Nachts. Es kam mir vor, als wenn teilweise die Bürgersteige hochgeklappt wären. Oft leere Straßen, aber laut der Transparente kann man hier so ziemlich alles haben.  Augenlaserung, Zahnersatz, Falten weg durch Botox, Massagen aller Art, Tattoos, Silikonimplantate, deutsche Schnitzel und sogar Erdinger Weisse. Alles was das Herz begehrt. Es dauerte nicht lange, bis sich der Strand füllte und das Leben wieder langsam in Gang kam. Viele braungebrannte  Rentner und Pensionisten, händchenhaltend mit ihrer neusten Errungenschaft (teils mit Kinderwagen). Jedoch sind derartige Tourimetropolen, egal ob in Thailand, Italien oder Algavre doch irgendwie gleich. Es regiert  Konsum und Kommerz. Nachdem ich etwa zwei Stunden alles gemütlich angeschaut hatte, machte ich mich auf den Weg nach  Chonburi.

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Teilweise 5-spurige Autobahn, über 70 Km ohne Unterbrechung Gewerbegebiete mit Schwerlastverkehr, Dreck,  Gestank und Autos ohne Ende. Dabei hatte ich mir diese Küstenstraße ruhiger als die 331 vorgestellt. Doch weit gefehlt. So gegen 17:00 Uhr waren im Gegenwind 70 Km auf der Anzeige und ein Hotel war auch gefunden. Diese Stadt ist, obwohl so nah an Bangkok, jedoch eine Stadt der Thais. Kein Tourist, kaum einer konnte ein Wort Englisch, kein Vergleich mit Pattaya.  So, nun heißt es aber langsam umswitchen. Hab nur noch drei Tage und morgen wäre mein Ziel Bangkok. Da die Nachrichten im Hinblick auf die Aufstände nichts Gutes berichten, kam der Gedanke in mir, eventuell den Bus zu nehmen. Muss auch in der Stadt noch eine Radschachtel und Packband besorgen, denn die von der Hinreise liegt in Hanoi rum. Vielleicht waren es die letzten Radkilometer des Jahres. Hab gehört zuhause ist es etwas zu kalt zum Radfahren.

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2. 12.2013, Montag, 16. Radtag, Rayong – Pattaya 60 Km

Einige Verschleißerscheinungen waren nun, nach den letzten intensiven Radtagen doch vernehmbar und morgens im Spiegel Erstaunen,  wie mich doch gestern die Sonne hergebrannt hat. Eine große Blase am linken Oberfuß schmerzte bei Druck. Sie entstand auf sonnenverbrannter Haut und tat weh. Gemütlich, erst gegen 10:30 rollte ich langsam los. Es wurde mir von der Stadt Rayong abgeraten und anstatt dessen sollte besser Pattaya angefahren werden. Die Gegend wurde etwas kupierter und musste nun, da es nach Norden ging, teilweise dem  Gegenwind Parole bieten. Aber was soll’s, meist war mir bei dieser Tour eh Rückenwind beschieden. Entgegen der oft endlosen Weiten und einförmiger Lanschaft der letzten Tage,  so kam nun wie auf einem Schlag das Gegenteil. Vor  gut 30 Jahren war ich mal in Pattaya und hatte es noch viel kleiner in Erinnerung. Nun sieht man schon von Weitem riesige Hotelblöcke, überdimensionale Werbetafeln ragen neben der Autobahn in den Himmel und was da abgeht, kann man sich kaum vorstellen. Interessant hierbei, dass bei Bauwerken in dieser Gegend ein erheblicher Aufwand in die Stabilisierung der Grundfeste betrieben werden muss. So werden im Abstand von nur knapp zwei Metern lange Betonklötze vertikal  in den Boden getrieben um auf festen Boden zu gelangen, sonst würden wohl die Gebäuede in den Boden versinken.

Stop and Go ging’s zuerst die Second Street hinauf und ich ließ das Rad dann auf der etwa 5Km langen Promenade die berühmte Beach Road hinunterrollen.

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Neben  mir Pickuptaxis, beladen mit Touris, am Strand Motorboote, Skysurver, Superjachten, soweit das Auge reicht. Ein Sprachengemisch im hektischen Gequirle von Amerikanern, Russen, Koreanern, Japanern, Engländern, Holländern…. . Das sind Kontraste!! Es wurde mir geraten, ein Hotel in der Second Street zu nehmen. Wieder vergaß ich zu fragen ob eine Lüftungsmöglichkeit im Zimmer sei. Das fiel mir aber erst auf, nachdem die Radtachen im dritten Stock waren. Es war ein abgenutztes, schlecht belüftetes Zimmer, aber es war nicht so schlimm wie damals bei Ha Long. Unverständlich, auch hier einfach eine Festverglasung, ein Raum ohne Lüftungsmöglichkeit von aussen. Beim durchstreifen der Straßen, grauste mir auf dem Bürgersteig vor dem abartigen Kläranlagengeschmack, der durch dicke, gelochte Eisenplatten aus der Kanalisation kam. Doch das juckte anscheinend nicht die Händler, die unmittelbar daneben Lebensmittel verkauften. Dicht gedrängt die Geschäfte, Restaurants, Bars, aus denen laute Musik kam und die zusammen mit dem Straßenverkehr eine belebte Geräuschkulisse bildeten. Aufgefallen ist mir oft die russische Sprache. Tja, deren Oberschicht erobert jetzt die Urlaubsgebiete auf der ganzen Welt.  Auch waren  deutsche Stimmen zu vernehmen. Zwei  Nürnberger waren etwas erstaunt, dass man mit dem Rad aus Hanoi kommen kann. Sie hatten keine Probleme mich zu einem Bier zu überreden, aus denen mehrere wurden. Sie erzählten mir, in Bangkok gäbe es zur Zeit wieder Unruhen und es sei nicht ratsam,  bereits morgen dahin aufzubrechen. Die letzte Tat des Tages war, in einem Internetcafe die Lage dort zu  checken.

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1.12. 2013, Sonntag, 15. Radtag, Sa Kaeo- Rayong 188Km

Noch angedudelt von der gestrigen Countrymusik hatte der Boy an der Theke des Autorestaurants anscheinend  gegen 6:30 Uhr  noch mit keinem Gast gerechnet. Mehrmals war es nötig dem Typen nahezulegen, dass bei einem Frühstück zum Kaffee auch was zum Essen gehört. So verging fast eine Stunde bis nach mehreren Nachbestellungen eine Grundlage im Magen war und endlich das  Rad mit langsamen Umdrehungen Richtung Westen,  Sa Kaeo verlassend, anrollte.  Alles war wieder mal gewaschen und  nach den ersten  fünfzig Kilometern auf der 319  wurde Rayon angesteuert. Die letzten Tage kam der Gedanke auf,  die Strecke über  Pattaya nach Bangkok zu radeln, da die Landschaft doch sehr eintönig wirkt. Abwechslung gibt es ab und zu nur mal einen schön geschmückten Buddhatempel zu sehen. Das wirkliche Leben spielt sich wohl im Küstenbereich ab.

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Über wohl 100 Kilometer wird hier eine zweite Fahrspur gebaut. Es verlockte förmlich, auf den teilweise schon geteerten, noch nicht freigegebenen Passagen, auf der linken Seite alleine mit dem Rad zu fahren. Zudem  waren es durch den Rückenwind  geschenkte Kilometer. Darin lief das Rad teilweise von selbst und ohne viel Anstrengung summierten sich die Kilometer. So  kurz nach 13:00 Uhr standen bereits 115 Km auf dem Garmin und es wurde Zeit eine ausgiebige Pause zu machen. Während des Nachmittags kam schnaubend ein schwer beladener LKW von hinten ran und überholte mich.

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Die Gunst des Moments bewusst trat ich in die Pedale und kämpfte, die Saugglocke hinter dem LKW nicht zu verlieren. So ergab sich auch noch eine Sprinteinlage für den Tag. Teilweise, hinten im Sog des Brummis, waren 60 Km/h auf der Geschwindigkeitsanzeige zu lesen. Mit  Argusaugen hatte ich, feste trampelnd, die Ladung sowie deren Sicherung  im Blick. Die verrosteten Beschläge machten keinen guten Eindruck.  Der Spaß war erst nach etwa 20Km vorbei, als der Laster eine andere Richtung fuhr.

 

P1030345Naja, die Luft war nun wieder besser und ich fühlte mich wie ein Adrenalinjunkie. So gibt es heut nicht allzu viel zu berichten. In der Nähe von Rayong beendete ich den Tag und morgen gibt es Sightseeing along the Coast

 

 

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30.11.2013, Samstag, 14 Radtag, Siem Reap – Pampa 159 Km Bus, 84 Km Rad

Tja, gesagt, getan. Ich hatte in der Reception meines Hotels in Siem Reap wegen einer Busverbindung angefragt und ähnlich wie gestern beim Hubschrauberflug war es ein Telefonat und nach einer stressigen Stunde später sah ich mich im überfüllten  Bus Richtung Westen, auf einem Teil der Strecke, wo ich vorgestern hergefahren bin. Die Busfahrt über 160 Km nach Aranyaprathet dauerte mit Pausen fast bis Mittag. Das Rad wurde mit Satteltaschen aus dem Bauch des Busses gezogen und in mitten einer belebten Kreuzung musste es bei großer Hitze wieder zusammengebaut werden. Die Erwartung, die Grenzformalitäten würden sich, da ja erst in Thailand gewesen, auf ein Minimum beschränken, erwies  sich als Trugschluß.  Wieder quirliges Leben an den Borderlines und Menschen, Menschen, Menschen. Bei der Ausreise an der kambodschanischen Grenze wurden alle Finger an beiden  Händen gescannt, im Pass wurde gestempelt was das Zeug hergibt und ich dachte das war’s. Denkste!! Anschließend ging’s vor der Thaigrenze von einer Warteschlange in die Nächste. Zwischen hunderten von Rucksacktouristen und endlos scheinendem Warten nun endlich wieder Thaiboden unter den Füssen (Rädern). Ärgerlich, dass bei soviel Grenzgängern teilweise nur zwei von sechs Schaltern belegt waren. Das Ganze dauerte gut zwei Stunden und der betriebene Sicherheitsaufwand war für mich unverständlich.

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29.11. 2014, Freitag, 13. Radtag, Besichtigung Angkor Wat – Siem Reap 70 Km

Eitel Sonnenschein, wieder ein heißer Tag. Diesmal, nach einer geruhsamen Nacht  gings erst so um 10:00 Uhr los, die Tempelanlagen zu besichtigen. Der gestrige Tag hatte es schließlich in sich.

Auf einem Areal von einigen dutzend Quadratkilometern stehen diese zwischen Sümpfen und Tropenwald, etwa 20 Km nördlich des Tonle Sap, dem größten See von Kambodscha. Daneben auch noch die Anlage Angkor Tom und weitere gigantische Bauten oder Ruinen. Es gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Hab in stilistischen und religionshistorischen Studien gelesen, die Anlagen seien so im 12.- 13. Jahrhundert  entstanden.  Während des 15. Jahrhunderts wurden die Tempelanlagen teilweise von Siamesen gelpündert. Ein weiterer Grund für den Zerfall ist, dass sich die Khmer ab dem 13. Jahrhundert dem  Buddhisums zuwandten, weshalb keine neuen Tempel mehr errichtet, oder die vorhandenen saniert, wurden. Hinzu kam die Abholzung sämtlicher Wälder durch die Khmer, sowie Missernten durch versiegendes Wasser und den damaligen Klimawandel.

Persönliche Erfahrung , im Gegensatz zu den Ha Long Inseln sowie die Kaiserstadt Hue in Vietnam, ist Angor Wat absolut sehenswert. Aber das ist Subjektiv, jeder erlebt und beurteilt es auf seine Weise.  In Angor Wat ist  es gut, wenn man ein Rad dabei hat. 15 Km waren es vom Hotel bis zur Einfahrt der Tempelanlagen, wo man ein rießiges Gelände vorfindet. Mit etwas ungutem Gefühl sperrte ich das Rad neben einer Parkanlage mit Bewachung ab, um sicher zu gehen, dass mein wertvoller Untersatz nicht geklaut wird. Es ging nun weiter zu Fuß in die Tempelanlage des Hauptkomplexes.  Doch hier sollen die Bilder sprechen. All dies zu beschreiben würde Seiten verschlingen.

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Fünf Stunden Ruinen, Denkmäler, Steine, Buddhas, Touristen, treppauf, treppab. War es auch eine sehenswerte Stätte, so wirkt irgendwann alles gleich und es reichte mir. Mein altes Problem kam wieder auf. Ich fühl mich zwischen diesen Touristenmassen nicht wohl. Eine Frau machte ein verführerisches Angebot und als sie mich ansprach wurde ich schwach. Sie lockte mich zu einem sehr belebten Tourifootlokal etwas hinter der Straße.  Das Essen war so üppig, dass bereits nach einer Stunde später schon wieder Hunger aufkam. Interessant, wie plötzlich auf Trillerpfeife eines Guides, von “Grasshopper Adventures”eine größere Gruppe das Restaurant verliess und gemeinsam auf Räder stiegen. Es war eines jener Arrangements, die ich mal in einem Reiseprospekt gelesen habe. “14 Tage geführte Radtouren durch Kambodscha” so ca. 3500 Euro. Täglich 30 – 60 Km. Da dacht ich mir “Nein danke”.  Nach meiner Marscheinlage zwischen den Tempelanlagen kam Freude auf, als mein Steppenwolf Rad noch da stand, wo es abgesperrt wurde.  Ich hatte den Eindruck, dass dieses Angor Wat wohl im ganzen Land die größte Sehenswürdigkeit darstellt. Dutzende Kilometer fuhr ich durch endlose Weiten in diesem Land, wo die Menschen am Existenzminimum leben, nur Sumpf und Tropenwald-  und plötzlich Luxushotels, Tourismus und prodelndes Leben, natürlich mit Motorrollern soweit das Auge reicht. So, der Tag hätte noch drei Tagstunden und  es ist klarste Sicht von Pol zu Pol.  Beim Vorbeifahren konnte ich mich an einen Helistar Store erinnern. Da kam mir der Gedanke einen Rundflug zu machen. Das wäre doch heut noch ein Zuckerl. Es klappte!! Unkompliziert forderte mich die nette Dame im Büro nach der Bezahlung auf, mit dem Rad zum 7Km entfernten Flugpatz zu fahren. In einer Stunde wär`s möglich. Hier sagen mal wieder Bilder mehr als Worte.

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Am Abend war noch ein Besuch der Innenstadt  Siem Reap und Geldwechsel auf dem Plan. Nachdem wieder reichlich Kohle im Portemonnaie war gab es gegrillten Fisch mit köstlichen Saucen.  Das Gemenge auf der Straße in der Rush Hour,  vom Restaurant aus beobachtend, war eine kostenlose Zugabe. Es ist immer wieder faszinierend, wie der Verkehr hier abläuft. Wenn einer in eine Straße einfährt, so schaut er nicht. Nein,  er fährt nur. Teilweise quasselt er am Handy oder ist mit seiner Fracht beschäftigt. Die anderen weichen einfach gleichgültig aus. Selbst wenn Kühe die Straße überqueren wird an ihnen hinten und vorne ausgewichen. Diesem Verhalten einfach folgend, funktioniert das auch bei mir.  Ein Typ auf dem Roller hatte eine 2 Meter Matratze quer stehend befestigt und fuhr gegen die Fahrrichtung, natürlich ohne Licht. Bezüglich Beleuchtung muss man überhaupt aufpassen. Denn so mancher Roller hatte überhaupt keine Beleuchtung.  Morgen ist, nach diesem Ruhetag, wieder eine etwas härtere Etappe angesagt. Es liegen nun knapp 2000,  traumhafte Km hinter mir, heute allein 70, nur so vom Rumrollen. Nächsten Donnerstag geht`s wieder in den Flieger, zurück in`s kalte Europa. Jedoch noch an den Golf von Thailand zu kommen, wäre schon gut. Doch kam die Überlegung auf,  den relativ unattraktiven Streckenabschnitt Richtung Westen durch Kambodscha, Sisophon, Poipet, evtl. mit dem Bus zu fahren, um dafür nochmal ein bisschen Küste zu radeln.

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28.11. 2013, Donnerstag,12. Radtag, Prabat ,Thailand – Siem Reab, Kambodscha

12. Radtag, 28.11. Prabat, Thailand – Siem Reab, Kambodscha 206 Km

Nachdem ich nun 350 Km in landschaftlich relativ unattraktiven Provinzen und großer Hitze in Thailand unterwegs war, war in mir ein positiver Eindruck von diesem Land. Mich begeisterte die Wesensart der Thais. Alleine die Art des Grüßens wirkt sehr respektbetont und ist schön anzusehen. So falten sie die Hände und nicken, dass sie meist mit den Fingerspitzen die Nase berühren. Doch auch die letzten 40 Km bis vor die kambodschanische Grenze begleiteten mich, wie auf all den Kilometern im Land, die Riesenposter des Landesmonarchen mit Frau und Regimetreuen. In riesigen Plakaten mit üppigen, verzierten Goldrahmen  grinsen sie aufs Volk hernieder, teils als gütige, weise Herrscher abgelichtet. Dabei kamen Erinnerungen von Medienberichten auf, über die Unruhen in Bangkok, die glaube ich erst vor zwei Jahren im Fernsehen kamen, welche durch das Militär niedergeknüppelt wurden. Doch  weiß ich im Detail zu wenig darüber und ich war schon gespannt, was mich in Kambodscha so alles erwarten würde.

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In Phon Thong war noch reges Markttreiben und es kam die Idee, mir ein leichtes, langärmliges Hemd zu kaufen. Meine Arme waren von der Sonne geröstet und Ganzkörperabdeckung wäre sicherlich gut. Die Radtrikots erwiesen sich bei so großer Hitze nicht als so ideal. Doch entsprechende Hemden gab es nur in Kindergrößen. Dafür waren reichlich  gegrillte Maden und Heuschrecken in den Auslagen.. Auch herrschte reger Fahrradhandel. An der Grenze füllte ich zum wiederholten Male die Unterlagen für das Visum aus und ähnlich wie in Laos wurde es wieder 10:30 bis die Grenze überschritten werden konnte. So, nun wieder Rechtsverkehr.

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Ein Grenzer, selbst Radfahrer, zeigte sich sehr interessiert an meinem Tourenrad. Es ging bergab und ich sah vor mir unendliche Weiten und eine vorerst gute Straße. Geschmack von verbrennendem Plastik lag in der Luft und der Straßenrand glich zuerst einem langen Müllhaufen.  Es lagen noch 160 Km bis Siem Reap vor mir und ich bemühte mich Tempo zu machen. Mir war klar, dass ich abends wieder mit Licht fahren musste. Das Land war nun im Vergleich mit Thailand wieder deutlich ärmer. Die Versorgung an der Straße war gut und es gab alle paar Kilometer die Gelegenheit Wasser oder Essen zu kaufen. Das Volk ist ähnlich arm wie in Laos und kein Vergleich zu Thailand. Die Menschen waren jedoch ausnahmslos freundlich. Sie lebten am Straßenrand auf Pfahlbauten, besser gesagt Bretterbuden. Sie ernährten sich von Fisch, den sie vorwiegend aus an der Straße liegenden Weihern fischten, oder von den Rindern und Ziegen, die einem oft auf der Straße begegneten.

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Das Mittagessen war auch wieder ein Gaumenschmaus der besonderen Art. Endlose Geraden, von Sümpfen und Wald umgeben und als Zugabe noch ein ordentliches Tropengewitter, wo die Blitze vor mir nur so eindonnerten. Ich war klitschnass und hab noch nie so einen warmen Regen erlebt. Fast wie in der Badewanne.

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So kam ich nach 110 Km endlich an den National Highway 6 und hatte noch 50 Km bis Seam Reap. Der Verkehr wurde mehr und zu allem Übel wieder viele Constructions, wo es entsprechend dreckig zuging.  Alles in allem war es jedoch heute, trotz Tropengewitter, nicht so heiß  wie die letzten Tage in Thailand.  Der Hintern tat schon weh und ich war froh Siem Reap zu erreichen, wo es nur so wimmelte von Touristen. Entlang des Highways pompöse Luxushotels und zahllose Busse. Genau mein Ding.  Beim zweiten Hotel checkte ich ein und freute mich, dass morgen nicht schon wieder eine große Etappe vor mir lag. Mein Sitzfleich braucht Erholung.  Es soll morgen ein genüsslicher Ruhetag werden, wo die Besichtigung der  Tempelanlagen  geplant war.

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27.11. 2013, Mittwoch, 11. Radtag , Yasothon – Prasat 170 Km

Beim ersten Blick aus dem Hotelfenster Freude. Die Fahnen wehten sanft in meine Fahrtrichtung, also wieder leichter Rückenwind. Doch nach dem Frühstück beim Aufsatteln der erste Schock. Platten am Vorderreifen! Irgendwas stimmte nicht, der neue Schlauch verlor auch Luft, aber schien doch bei weniger Druck zu halten. Da  an meiner Luftpumpe sich eine Wechselventilschraube verabschiedete, musste noch eine Neue besorgt werden. Strahlend blauer Himmel und bereits um 8:30 Uhr ganz schön heiß. Die ersten Kilometer liefen gut, kein Berg, ewig gerade aus, gute Versorgung am Straßenrand, zig Kioske, wo in großen Kühlschränken mit Glastüren Kühles ausgestellt war. Ich zog es vor, mir eine Wassermelone reinzuziehen und schnell war der Vormittag vorbei.

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Es ging weiter Richtung Süden. Vormittags wurde die rechte Körperhälfte geröstet, am Nachmittag die linke. Sonnenschutz ist wichtig! Drum eine dicke Schicht auf die freien Hautflächen und gegen Mittag kam mir eine der zahllosen Straßenküchen mit schützendem Blechdach gerade gelegen. Dabei unterlief mir ein Fehler. Meinen  unsagbaren Durst löschte ich statt zuerst mit Wasser gleich mit Localbier. Nach zwei Halben und dem Essen nickte ich hinüber.  Erst nach einer guten  viertel Stunde weckte mich das Gelächter einer  Gruppe kichernder Thaifrauen vom Nebentisch. Naja, Rad, Tasche mit Dokumenten und Kohle noch da. Glück gehabt!! Anschließend der Versuch meinen schweren, müden  Körper wieder aufs Rad zu hieven, schließlich muss es weitergehen. Mühsam die ersten Treter  und schließlich rollte das Rad wieder. Sengende Mittagssonne, kaum Schatten und dann wieder dieser Vorderreifen. Als die Felge schon aufging musste abgestiegen werden, doch es war nicht daran zu denken, hier in dieser Bruthitze den Schlauch zu wechseln und Schatten war so um die Mittagszeit weit und breit nicht gegeben.  Also CO2 heraus, schließlich waren da doch  4 Ampullen in der  Werkzeugtasche. Doch bei erstmaliger Verwendung dieser  Dinger die Feststellung, dass für so einen Tourenradschlauch zwei nötig waren, um genug Luft drinnen zu haben. Zuerst hielt der Schlauch 20 Km, dann 10, dann war unmittelbar nach dem erneuten Aufpumpen Schluss. Gleich wurde der eh sperrige Mantel in der vorderen Radtasche mit gewechselt. Trotz dieser Pannen war gegen 16:00 Uhr bereits Surin erreicht und bei einsetzender Dunkelheit waren ging`s noch weiter bis  Prasat. Also Bonusmilen für den heutigen Tag. Es geht ab 17:00 Uhr alles sehr schnell. Die Temperaturen werden etwas erträglicher und dann wird es auch schon dunkel. Ab 17:30 Uhr ist Schluss. War zufrieden. Wieder 170 Km geradelt und in mir  die  Hoffnung, wenn die Grenzformalitäten nach Kambodscha nicht zuviel Zeit  beanspruchen, Siem Reap morgen zu erreichen.  Auch ein Hotel wurde schnell gefunden.   

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26.11. 2013, Dienstag, 10. Radtag Savannaketh, Laos – Yasothon, Thailand 151 Km

Morgends, oh Schreck. Hunderte Mücken im Zimmer. Sie kamen aus der Klimaanlage, schienen jedoch nicht stechwütig zu sein. Doch sah ich an der Bettwäsche, dass sich Nachts Einige an mir bedienten. Es war immer angenehm, wenn man ein Hotelzimmer im Groundfloor bekam. Das Rad konnte reingeschoben werden, kein Taschentragen über Flure, Treppen oder Fahrstühle. Es war auch eine Erleichterung beim morgendlichen Aufrüsten, wenn man die am Rad hängenden Satteltaschen einfach wieder einräumen konnte. Kleidersäcke  verstaut, Wasser auffüllen, Luft kontrollieren, Zimmercheck ob nichts liegengeblieben ist,  Hotelrechnung zahlen …. All dies war ja zwischenzeitlich Routine. Kam mir schon vor wie ein Nomade!! Ziemlich sauer war ich einmal, als mir die Tante an der Rezeption versicherte, mein Fahrrad werde sicher verräumt, jedoch nach drei Stunden sah ich es noch immer vor dem Hotel stehen.  Machte ihr klar, wie wichtig der Untersatz für mich ist, worauf sie, sichtlich verlegen,  schnell in meiner Gegenwart den Boy beauftragte, es an einen sicheren Ort zu bringen. Da ich Dödel wohl meine gute Landkarte irgendwo liegen hab lassen, wollte ich mir in Savannaketh eine Neue besorgen. Dabei lernte ich zwar die Stadt kennen, doch nach vielen Kilometern und mehreren Bookstores war mir kein Erfolg beschieden. Ich musste den Mekong über die Friendship Bridge queren und befürchtete schon wieder viele Formalitäten an der Grenze. Doch diesmal ging es schneller. Auf der laotischen Seite erklärte man mir, man könne über die einen Kilometer lange Brücke nicht mit dem Rad fahren, sondern benötige ein Pickup. Ein freundlicher Thai nahm mich mit und drüben erklärte man mir, dass ich in Thailand kein Visum brauche und dass Touris einen Monat lang bleiben dürfen. P1020966 P1020970 P1020961 P1020975 P1020986Obwohl noch Bündel Laosgeld in der Tasche, genau nachgerechnet war der Wert jedoch nur 11 Euro, besorgte ich gleich am Automaten Thaibath und los gings. Es schien ein sehr heißer Tag zu werden und nachdem wieder eine Landkarte mein Eigen war, radelte ich gen Süden los. Die Sonne knallte vom Himmel und meine Haut war oberflächig fast ganz mit Creme bedeckt.  Da es mir die letzten Tage mit Socken und Radschuhen deutlich zu heiß war, kam der Entschluß auf die Klickis und Socken zu verzichten. Doch  sichtbare Hautbereiche am Oberfuß waren, da keine Sonne gewöhnt, schnell  angerötet.  So, aber nun zu Thailand. Der Linksverkehr stellte kein Problem dar. Nur im Kreisverkehr war vorherige Überlegung gut. Problematisch wurde es zuerst  bei größeren Rondellen, wo es galt sich richtig einzureihen, da innere oder äußere Bahn definiert werden mussten. Hierbei war bei Fahrzeugen die selbstbewusst und dominant mit hoher Geschwindigkeit in den Kreisverkehr schnitten, besondere Aufmerksamkeit geboten. War immer eine Situation, die viel Konzentration erforderte. So fuhr ich nach Mukdahan, westlich des Mekongs,  Richtung Süden, wo es wenig spektakulär war. Autobahn soweit das Auge reicht und gegen Mittag knallte unerbärmlich die Sonne bei weit über 30 Grad vom Himmel. Keine Kinder grüßten mehr vom Straßenrand, nur die betörenden Rollgeräusche der überholenden Fahrzeuge und noch 120 Km bis zum Tagesziel Yasothon. Bei zahllosen Ständen am Straßenrand trank ich ausreichend und sorgte für genügend Flüssigkeit im Körper.   Erst gegen 15:00 Uhr schützen  Cumulis zumindest teilweise vor der aggressiven Sonne. Es war ein unspektakulärer Tag, aber der Zeitplan war eingehalten. Am nächsten Morgen galt es früh loszufahren um in die Nähe der kambodschanischen Grenze nach Surin oder Prasat zu kommen. Glück war mir dieses mal mit dem Hotel beschieden. Mein Garmin kann ja Vieles. Da war doch eine Funktion im Routenplaner „Points of Interest“. Per Touch Screen wurde  der Kasten beauftragt ein Hotel zu suchen. Prompt routete es mich zum  http://www.thegreenparkgrand.com Es war ein Nobelschuppen für Butterbrot. Ich schämte gegenüber dem Boy, der eifrig sich der Radtaschen annahm, über deren Zustand.  Er könne sich schließlich seine Hose dreckig machen.  Bei einem ausgiebigen Duschritual wurden diesmal auch die Satteltaschen mit gereinigt. Beim Abendessen im Hotel war ich wieder in eine Karaoke Firmenfeier geraten. Wärend die vegane Speisenauswahl diesmal vortrefflich gelang, sangen bei einer Firmenfeier Mitarbeiter  wie die Vietis laut und lesen den Text dabei vom Bildschirm. Anschließend werden die Solisten stürmisch  beklatscht und mir Rosen beschenkt. Ich hatte dem Hotelmanager vorgeschlagen mal eine bayerische Blaskapelle spielen zu lassen. Die Kosten für den Flug waren ihm aber zu teuer.

Alle Fotos von diesem Radtag unter:

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25.11. 2013, Montag, 9. Radtag, Hoa Boa – Savannaketh 140 Km Rad, 100 Km

Kitschige Discopopmusik  aus den Dorf- Straßenlautsprechern weckte mich auf und da ich am Vortag die ganzen Radtaschen ausräumte, schaute es entsprechend aus im Zimmer. Etwas Unbehagen empfand ich darüber,  was wohl heut alles auf mich zukommen wird. Wie ergeht es mir an der Grenze, wie sind die Straßen in Laos, wie die Menschen. Keinen Kiep (Laos Währung) hatte ich in der Tasche und auch keine Dollar, denn die vergaß ich in München am Flughafen zu tauschen. Nach MEZ war es zuhause kurz nach Mitternacht, als zum gestern noch extra bestellten Frühstück der Kaffee kam.  Ganz neue Erfahrung: Kaffee wurde mit Eis serviert, dazu heisses Wasser. Zwei Weißbrote und  Gurken. Im Vergleich mit dem gestrigen Frühstück ein Trauerspiel. Aber was soll`s, auf zu neuen Taten. An der vietnamesichen Grenze ging es hektisch zu, viele Leute, immer ein Argusauge auf mein Rad und Taschen, viele Schalterstellen, Stamps und ich mittendrin. Dann schließlich vor mir dominant das Grenzgebäude der laotischen Grenze. Der Grenzbeamte machte mir klar, ein Tourivisum sei erforderlich. P1020928 P1020845 P1020904 P1020903

Brav zum wiederholten male die Anträge ausgefüllt. Reisepassnummer, Name, Vorname, Geschlecht, Herkunft…. . Der nett grinsende Mann hinter der Glasscheibe machte mir klar, so ein Visum kostet 40 Euro. Doch hatte ich kurz vorher nur etwa 30 Euro in Laosmoney umgetauscht. Also an der Bank gleich gegenüber nachfassen. Wieder wurde mir ein Bündel dreckiger Scheine mit vielen Nullen für 100 Euro in die Hand gedrückt. Ob der Bankangestellte mich über`s Ohr gehaut hat war für mich nicht nachvollziehbar, die Nullen waren zwar erkennbar, doch die Zahl davor war für mich nicht zu entziffern. Als ich zig teils unlesbare Stempel in den Pass geknallt bekam und nochmal ein weiterer penibler Grenzer alles auf Vollständigkeit pruefte, war es bereits 9:30 Uhr, als  die ersten  laotischen Straßenmeter vor mir lagen. Die Entschädigung waren  feiner Inlinerasphalt, breite ebene Straßen, kaum Verkehr, saubere Luft und man konnte eigentlich positiv überrascht sein von diesem Land. Auch gab es die ersten dutzend Km Stände, wo die wichtigsten Dinge gekauft werden konnten. Ein Glücksgefühl kam auf. Auf Laoserkundung genoss ich die Natur und freute mich über die netten grüßenden Menschen am Wegesrand. Es ist ein armes Volk. Nackte Kinder, Baracken auf Stelzen, wohl wegen der Bodentiere.

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 Doch so gegen Mittag nach ca 60 Km wieder das alte Signal aus der Magengrube.”HUNGER”. An einer Straßenküche wurde mir  trotz deutlicher Handzeichen, rechte Hand zum Mund führend, linke Hand zum Essen deutend, nur zwei Heinecken und Zigaretten gegeben. Die bekam sie gleich wieder. Zerknirscht ein erneuter Versucht der Erklärung. Doch wollte die Gute das nicht kapieren.  Entnervt kam nach einer viertel Stunde ein weiterer Laden, der wie ein Restaurant aussah, zum Vorschein. Dort standen Plastikbeutel mit essbarer Füllung auf einem Tisch, welche ich als Brotzeiten deutete und den, wo  eine Tomate und Nudeln drin zu erkennen waren, erwarb. Nachdem mir ein Teller gereicht wurde, die ersten, mühsam mit Stäbchen gegessenen Happen. Naja, ganz schön würzig!  Nach etwa fünf Minuten begann die Nase zu laufen, es fühlte sich so an, als ob sich mein Gaumen auflöse, die zwei Heineken waren innerhalb weiterer fünf Minuten ausgeschwitzt. Tränen kamen auch dazu. Sicherlich hatte ich eine entsprechen rote Birne und innerlich fühlte es sich an, als liefe der Countdown für einen Raketenstart. Es waren Glasnudeln und eine Art angebratene Wurzel, die ich nicht deuten konnte. Der schlimmste Teil des Szenarios dauerte etwa 10 Minuten, aber was soll`s,  man muss es positiv sehen. Es reinigt mit Sicherheit die  inneren Organe  und machte mich des Weges. Aus dem Inlinerasphalt wurde grober, welliger Teer mit tiefen Löchern, Schotter  und viel Staub.P1020950 P1020951 P1020956 P1020953 P1020957 P1020946 P1020945

Die Satteltaschen wurden gebeutelt und meine Grip Ship Schaltung machte Probleme. Während der weiteren Kilometer ein Gedankenspiel, ein Horrorszenario. Ein ausgehungerter Radfahrer liegend am Wegesrand im Tropenwald, ausgezehrt und dehydriert, Radpanne, kein Licht, unbekannte Stimmen aus dem Urwald, und ich muss da übernachten. Sorge bereitete mir, dass  seit etwa 130 Km kein Guesthouse, Hostel oder irgendeine Art von Unterkunft, zu sehen war. Man ist eben nicht mehr auf der A1 in Vietnam. Grübel, grübel. Die Distanz bis Savannaketh sind 240 Km. Die Hoffnung, eine Bleibe für die Nacht auf der Strecke zu finden, bestätigte sich nicht. Also: entweder in die Nacht hineinfahren und total platt in Savannaketh ankommen, oder auf einem KFZ anheuern. Welch Glück, dass mich nach 140Km ein Pickupfahrer, so eine Art Minibus  mit vielen Menschen drauf, mitnahm. Schon ein bisschen komisch die ersten Kilometer, hinten auf dem Pickup, mal nicht selbst mit dem Rad unterwegs.  Obwohl der Fahrer ganz schön flott unterwegs war kam der Bus erst  in der Dunkelheit, die Insassen hergebeutelt zwischen Reissäcken und Schachteln, in  Savannaketh an. Hier gab es auch Hotels und ich suchte mir einen, wenn auch teuren Schuppen mit Internet, Klimaanlage und Restaurant direkt am Mekong Fluss. Morgen wird sich das ganze Spiel wiederholen, den dann geht es nach Thailand.

Alle Fotos von diesem Radtag unter:

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