Archiv für den Monat: Dezember 2013

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4.12. 2013, Mittwoch, 18. Radtag, Chonburi – Bangkok 100 Km – 19. Tag – Abreisetag

Wie schnell doch die Zeit vergeht. drei Wochen sind um, und kaum man sich`s versieht sitzt man wieder im Flieger heimwärts.  In den frühen Morgenstunden  fiel in mir die Entscheidung, nun doch nach Bangkok weiter zu radeln. Hab in den Medien den Stadtbezirk, den es zu meiden gilt,  auf Google gesucht.  Die Position meines Hotels liegt 15 Km entfernt, also müsste es passen. Nach einem Thaifrühstück, heiße Suppe, Chicken und Reis,  ging’s durch das Zentrum von Chonburi- Kurs Norden. In mir spulten sich die letzten drei Wochen ab und es wird wohl noch eine Zeit dauern, um all die Erlebnisse zu verarbeiten. Hab noch den Spiegel am Rad noch nach rechts umgebaut, um den vorbeifahrenden Verkehr besser beobachten zu können. Der gestrige Streckenabschnitt war ja, wie beschrieben, schon ziemlich belebt, aber was sich nun heute auf der Straße vor Bangkok abspielte, erreichte eine neue Dimension. Bereits 50Km vor dem Zentrum  nun Autobahnen,  teilweise dreistöckig auf Säulen,  dicht frequentiert, mit bebender, lauter Geräuschkulisse und tausenden LKWs, die ihre rußschwarzen Dieselschwaden in die Luft pusteten.  Teils konnte man kaum noch atmen.

P1030437Bedenklich, was die Spezies Mensch da so anrichtet.  Wie lange kann unser Globus das aushalten?? Was tun wir den nächsten Generationen an??

Ach ja, das Rad steht vor Dreck. In einer Waschanlage ließen es sich die Boys nicht nehmen, mal was anderes als Taxis zu reinigen. Interessiert musterten sie jedes Technikdetail eines so für sie      außergewöhnlichen Fortbewegungsmittels und sie nahmen absolut kein Trinkgeld für ihre Dienstleistung.

P1030431Einfliegende Jets kündigten die Nähe des Flughafens an und als Nächstes, so gegen Mittag, war auf dem Plan am Flughafen im Qatar Airways Office wegen meines Fahrrads anzufragen. In München wurde das Zusatzgepäck ohne Mehrpreis akzeptiert, da das Gesamtgewicht unter 40 Kg lag. Wie es nun das Personal in Bangkok sieht, musste abgeklärt werden. Also Anfahrt mit dem Rad zum Flughafen. Etwas unsicher war ich schon, da die Highways auf Stelzen und der hektische Verkehr doch Eindruck machten. Doch wenn Mofas am 2-3m breiten Seitenstreifen fahren, dann dürfte es keine Probleme geben. So war es auch. Alleine ca. 30 Km waren im Bereich des großräumigen Airports auf dem Tacho. Da ist München ein Provinzflugplatz.

P1030458Die nette Dame von Qatar erklärte freundlich, dass auch hier keine Zusatzkosten anfielen und die Gewichtsverteilung der Gepäckstücke tolerierbar sei. Sie lasse das unter der Ticketnummer vermerken. Puhh, so nun zum Hotel. Die bereits vor der Abreise in Deggendorf gebuchte Bleibe in der Nähe des Airports wurde schnell gefunden. So das war’s. Radsaison 2013 beendet.  Abends noch ein Versuch in das 25Km entfernte Zentrum zu kommen, doch nach 5Km Stopp and Go entnervt den Bus verlassen, japanisch gegessen- und wieder zurück zum Hotel. Die Japsen haben kleine Mägen!! Als Nächstes musste noch eine Radschachtel organisiert werden. Der Fahrer des Hotels meinte, er müsse 1000 Bath berechnen, um eine passende Box in einem Bicycleshop, wahrscheinlich am anderen Ende Bangkoks, zu organisieren. Doch siehe da, etwas Glück braucht der Mensch. Ein Blick hinter das Hotel und dutzende Kartons boten sich an. Beruhigt, nun auch dieses Problem im Griff zu haben, ging’s in die Falle.

Am nächsten Morgen die Packprozedur, die anstrengender war als das eigentliche Radfahren.

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Alle Fotos von diesem Radtag unter:

https://picasaweb.google.com/27werner/18Radtag412?authkey=Gv1sRgCNzxod3Wyr7pCA

 

So long, bis zum nächsten Auslandseinsatz.

 

 

 

 

3.12.2013, Dienstag, 17. Radtag, Pattaya – Chonburi 70Km

 

Ich hatte relativ gut geschlafen und war im gegenüberliegenden, großen Straßenrestaurant um 8:00 Uhr der erste Gast. Reges Treiben um mich. Frisches Obst, Gemüse, Fleisch wurden angeliefert, Theken befüllt und für den Tag angerichtet. Das ganze Personal, Köche, Bedienungen, Hilfen waren gut gelaunt, lächelten, machten Scherze und sangen mit der Radiomusik. Ich selbst hatte Spaß daran und genoss dieses Umfeld. Nachdem ein  frisch gepresster Kiwisaft mein Frühstück krönte, begab ich mich zum Hotel um die Radtaschen zu packen, denn ich wollte heut zumindest noch nach Chonburi, um dort noch die Lage in Bangkok nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Da gestern in der Dunkelheit  nur ein Teil von Pattaya zu sehen war, sollte die  Gelegenheit genutzt werden  und so rollte das Rad mit mir noch eine gemütliche  Ehrenrunde. Aufgesattelt  ging`s noch durch die Sois an der Coast,  um schließlich nach zwei Stunden ab der  Working Street  wieder auf Strecke Richtung Norden zu gehen.

P1030386 P1030388 P1030389 P1030390 P1030392 P1030353Doch Pattaya lebt anscheinend nur am Nachmittag und Nachts. Es kam mir vor, als wenn teilweise die Bürgersteige hochgeklappt wären. Oft leere Straßen, aber laut der Transparente kann man hier so ziemlich alles haben.  Augenlaserung, Zahnersatz, Falten weg durch Botox, Massagen aller Art, Tattoos, Silikonimplantate, deutsche Schnitzel und sogar Erdinger Weisse. Alles was das Herz begehrt. Es dauerte nicht lange, bis sich der Strand füllte und das Leben wieder langsam in Gang kam. Viele braungebrannte  Rentner und Pensionisten, händchenhaltend mit ihrer neusten Errungenschaft (teils mit Kinderwagen). Jedoch sind derartige Tourimetropolen, egal ob in Thailand, Italien oder Algavre doch irgendwie gleich. Es regiert  Konsum und Kommerz. Nachdem ich etwa zwei Stunden alles gemütlich angeschaut hatte, machte ich mich auf den Weg nach  Chonburi.

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Teilweise 5-spurige Autobahn, über 70 Km ohne Unterbrechung Gewerbegebiete mit Schwerlastverkehr, Dreck,  Gestank und Autos ohne Ende. Dabei hatte ich mir diese Küstenstraße ruhiger als die 331 vorgestellt. Doch weit gefehlt. So gegen 17:00 Uhr waren im Gegenwind 70 Km auf der Anzeige und ein Hotel war auch gefunden. Diese Stadt ist, obwohl so nah an Bangkok, jedoch eine Stadt der Thais. Kein Tourist, kaum einer konnte ein Wort Englisch, kein Vergleich mit Pattaya.  So, nun heißt es aber langsam umswitchen. Hab nur noch drei Tage und morgen wäre mein Ziel Bangkok. Da die Nachrichten im Hinblick auf die Aufstände nichts Gutes berichten, kam der Gedanke in mir, eventuell den Bus zu nehmen. Muss auch in der Stadt noch eine Radschachtel und Packband besorgen, denn die von der Hinreise liegt in Hanoi rum. Vielleicht waren es die letzten Radkilometer des Jahres. Hab gehört zuhause ist es etwas zu kalt zum Radfahren.

Alle Fotos von diesem Tag unter:

https://picasaweb.google.com/27werner/17Radtag312?authkey=Gv1sRgCN2G3fmTj7T3Og

 

2. 12.2013, Montag, 16. Radtag, Rayong – Pattaya 60 Km

Einige Verschleißerscheinungen waren nun, nach den letzten intensiven Radtagen doch vernehmbar und morgens im Spiegel Erstaunen,  wie mich doch gestern die Sonne hergebrannt hat. Eine große Blase am linken Oberfuß schmerzte bei Druck. Sie entstand auf sonnenverbrannter Haut und tat weh. Gemütlich, erst gegen 10:30 rollte ich langsam los. Es wurde mir von der Stadt Rayong abgeraten und anstatt dessen sollte besser Pattaya angefahren werden. Die Gegend wurde etwas kupierter und musste nun, da es nach Norden ging, teilweise dem  Gegenwind Parole bieten. Aber was soll’s, meist war mir bei dieser Tour eh Rückenwind beschieden. Entgegen der oft endlosen Weiten und einförmiger Lanschaft der letzten Tage,  so kam nun wie auf einem Schlag das Gegenteil. Vor  gut 30 Jahren war ich mal in Pattaya und hatte es noch viel kleiner in Erinnerung. Nun sieht man schon von Weitem riesige Hotelblöcke, überdimensionale Werbetafeln ragen neben der Autobahn in den Himmel und was da abgeht, kann man sich kaum vorstellen. Interessant hierbei, dass bei Bauwerken in dieser Gegend ein erheblicher Aufwand in die Stabilisierung der Grundfeste betrieben werden muss. So werden im Abstand von nur knapp zwei Metern lange Betonklötze vertikal  in den Boden getrieben um auf festen Boden zu gelangen, sonst würden wohl die Gebäuede in den Boden versinken.

Stop and Go ging’s zuerst die Second Street hinauf und ich ließ das Rad dann auf der etwa 5Km langen Promenade die berühmte Beach Road hinunterrollen.

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Neben  mir Pickuptaxis, beladen mit Touris, am Strand Motorboote, Skysurver, Superjachten, soweit das Auge reicht. Ein Sprachengemisch im hektischen Gequirle von Amerikanern, Russen, Koreanern, Japanern, Engländern, Holländern…. . Das sind Kontraste!! Es wurde mir geraten, ein Hotel in der Second Street zu nehmen. Wieder vergaß ich zu fragen ob eine Lüftungsmöglichkeit im Zimmer sei. Das fiel mir aber erst auf, nachdem die Radtachen im dritten Stock waren. Es war ein abgenutztes, schlecht belüftetes Zimmer, aber es war nicht so schlimm wie damals bei Ha Long. Unverständlich, auch hier einfach eine Festverglasung, ein Raum ohne Lüftungsmöglichkeit von aussen. Beim durchstreifen der Straßen, grauste mir auf dem Bürgersteig vor dem abartigen Kläranlagengeschmack, der durch dicke, gelochte Eisenplatten aus der Kanalisation kam. Doch das juckte anscheinend nicht die Händler, die unmittelbar daneben Lebensmittel verkauften. Dicht gedrängt die Geschäfte, Restaurants, Bars, aus denen laute Musik kam und die zusammen mit dem Straßenverkehr eine belebte Geräuschkulisse bildeten. Aufgefallen ist mir oft die russische Sprache. Tja, deren Oberschicht erobert jetzt die Urlaubsgebiete auf der ganzen Welt.  Auch waren  deutsche Stimmen zu vernehmen. Zwei  Nürnberger waren etwas erstaunt, dass man mit dem Rad aus Hanoi kommen kann. Sie hatten keine Probleme mich zu einem Bier zu überreden, aus denen mehrere wurden. Sie erzählten mir, in Bangkok gäbe es zur Zeit wieder Unruhen und es sei nicht ratsam,  bereits morgen dahin aufzubrechen. Die letzte Tat des Tages war, in einem Internetcafe die Lage dort zu  checken.

Alle Fotos von diesem Radtag unter:

https://picasaweb.google.com/27werner/16Radtag212?authkey=Gv1sRgCNzo7MmfubeU7AE

1.12. 2013, Sonntag, 15. Radtag, Sa Kaeo- Rayong 188Km

Noch angedudelt von der gestrigen Countrymusik hatte der Boy an der Theke des Autorestaurants anscheinend  gegen 6:30 Uhr  noch mit keinem Gast gerechnet. Mehrmals war es nötig dem Typen nahezulegen, dass bei einem Frühstück zum Kaffee auch was zum Essen gehört. So verging fast eine Stunde bis nach mehreren Nachbestellungen eine Grundlage im Magen war und endlich das  Rad mit langsamen Umdrehungen Richtung Westen,  Sa Kaeo verlassend, anrollte.  Alles war wieder mal gewaschen und  nach den ersten  fünfzig Kilometern auf der 319  wurde Rayon angesteuert. Die letzten Tage kam der Gedanke auf,  die Strecke über  Pattaya nach Bangkok zu radeln, da die Landschaft doch sehr eintönig wirkt. Abwechslung gibt es ab und zu nur mal einen schön geschmückten Buddhatempel zu sehen. Das wirkliche Leben spielt sich wohl im Küstenbereich ab.

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Über wohl 100 Kilometer wird hier eine zweite Fahrspur gebaut. Es verlockte förmlich, auf den teilweise schon geteerten, noch nicht freigegebenen Passagen, auf der linken Seite alleine mit dem Rad zu fahren. Zudem  waren es durch den Rückenwind  geschenkte Kilometer. Darin lief das Rad teilweise von selbst und ohne viel Anstrengung summierten sich die Kilometer. So  kurz nach 13:00 Uhr standen bereits 115 Km auf dem Garmin und es wurde Zeit eine ausgiebige Pause zu machen. Während des Nachmittags kam schnaubend ein schwer beladener LKW von hinten ran und überholte mich.

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Die Gunst des Moments bewusst trat ich in die Pedale und kämpfte, die Saugglocke hinter dem LKW nicht zu verlieren. So ergab sich auch noch eine Sprinteinlage für den Tag. Teilweise, hinten im Sog des Brummis, waren 60 Km/h auf der Geschwindigkeitsanzeige zu lesen. Mit  Argusaugen hatte ich, feste trampelnd, die Ladung sowie deren Sicherung  im Blick. Die verrosteten Beschläge machten keinen guten Eindruck.  Der Spaß war erst nach etwa 20Km vorbei, als der Laster eine andere Richtung fuhr.

 

P1030345Naja, die Luft war nun wieder besser und ich fühlte mich wie ein Adrenalinjunkie. So gibt es heut nicht allzu viel zu berichten. In der Nähe von Rayong beendete ich den Tag und morgen gibt es Sightseeing along the Coast

 

 

Alle Fotos von diesem Radtag unter:

https://picasaweb.google.com/27werner/15Radtag112?authkey=Gv1sRgCMu-jML8lM_ziwE